Archiv der Kategorie: Poetisches

>Es war einmal ein Mann…

>…der war sehr sehr klug und passte eigentlich gar nicht in seine Zeit – er war ihr weit vorraus.
Dieser Mann hatte eine Idee: Alles im Universum ist doch auf Schwingungen aufgebaut. Das Licht, der Schall – selbst die Atome befinden sich ausnahmslos in einem unterschiedlichen Schwingungszustand.
Die Luft ist voller Radio und Fernsehwellen – alles Schwingungen in unterschiedlicher Hertz-Zahl und auf unterschiedlichen Ebenen.
Man braucht nur einen geeigneten Empfänger, Verstärker und – ach ja – eine Art Übersetzer dieser Schwingungen, damit aus dem Radio eine Musik ertönt oder Bilder auf dem Fernsehschirm erscheinen.
Meine Kollegen haben ja nun schon seit langer Zeit das Hintergrundrauschen des Universums erforscht und festgestellt, daß es nur der Nachhall des Urknalls ist, aus dem alles hervorgegangen ist, dachte er bei sich.
So dachte er und erschuf einen Apparat. Einen Empfänger, Verstärker und Übersetzer des Signals. ES war zwar schon wahrnehmbar, aber die bisherigen Instrumente reichten nicht aus um das Signal völlig zu entschlüsseln. Die Frequenz und das Übertragungsband stimmten einfach nicht. Er brauchte einen Empfänger für eine ganz andere Dimension – und klug wie er war kam er auf die richtige Idee um das Signal in menschliche Sprache und Form zu transferieren.
Er drehte den Lautsprecher an und rieb sich erstaunt und völlig perplex die Augen. Sein Körper fing an zu zittern, die Tränen schossen ihm aus den Augen. Er hörte durch eine unergründlich tiefe und gleichzeitig hohe alles durchdingende Stimme den Satz: ES WERDE LICHT!

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>Allein

>Allein in der Nacht.
Der Himmel weint in der Dunkelheit. Ebenso wie ich.
Dunkele Tannen heben sich schwarz am Horizont vom Himmel ab, während in der Ferne der Schnellweg rauscht.
Der Regen plätschert, tropft und rauscht.
Ab und zu ein metallisches Geräusch – die Regentropfen spielen mit dem Metallsessel.
Allein oder All-Ein?
Ich sitze hier allein bin aber dennoch ein Teil des gesamten Universums, bin verbunden mit allen Menschen die mich beeinflussen und die auch ich beeinflusse.
Ich spreche mit Gott und offenbare ihm meine tiefsten Gefühle und Gedanken. Ehrlich bis aufs Messer.
Gott ist still und schweigt – aber er ist da und hört zu.

>Der Herbst ist ein freundlicher Mann

>

In unserem Haus sind immer noch die Handwerker am Gange. Heute bekommen wir eine neue Wohnungstür, deshalb steht alles offen und ich habe die Wohnzimmertür hinter mir geschlossen, mich auf die bequeme Couch gelegt und die Balkontür weit geöffnet. Die Kapuze habe ich mir übers Gesicht gezogen um den allgemeinen Rückzug zu symbolisieren.
Ein kühler aber freundlicher Luftzug weht von draußen herein und ich rieche….rieche: Den Herbst!
Es ist schwer zu definieren aber die Luft riecht irgendwie anders als im Sommer obwohl die Sonne am Himmel strahlt und die Tage nicht merklich kürzer sind bisher.
Auch der Klang der Sonne ist ein Anderer. Sie ist irgendwie sanfter und netter als sonst. Wie soll ich die Stimmung beschreiben?
Gestern früh ging ich an einer frischen Horde Schulkinder vorbei, welche mit gepackten Koffern und Taschen auf den Reisebus warteten. Sind denn immmer noch Ferien? dachte ich mir. Die gehen gerade scheinbar auf Urlaubsreise.
Dann wandert mein Blick nach oben an der dicken, zerklüfteten Rinde eines alten Baumes empor. Er hängt voller fetter frisch-grüner, stacheliger Kastanien.
Nett, nett denke ich bei mir – Kinder aller Zeiten lieben schon immer Kastanien und sammel sie gern auf. Warum diese Bäume nur so oft in der Nähe von Schulen stehen? Vielleicht haben die Grünplaner der Stadt bewusst oder unbewusst etwas Schönes für die Kinder tun wollen – in Erinnerung ihrer eigenen Kindheit?
Der Herbst ist ein freundlicher Mann – denke ich mir. Er bringt uns so viele schöne Früchte an den Bäumen. Auf unserem Hinterhof lugen zart und grün die ersten vollen Äfpel durch das noch dichte grüne Laub – eine erste Mahnung an den Herbst. Eine Vorahnung der Veränderung, ein leiser Schrecken weil dann irgendwann die graue und feuchtkalte Zeit kommt – unaufhaltsam. Nur nicht dran denken, sondern lieber an den freundlichen Herrn Herbst mit seiner großzügigen Versorgernatur – er kommt mit dicken Früchten….

Foto: Homo_Sapiens (Flickr.com)

Ist der Abend kalt und naß…

Der Abend ist dunkel, kalt und naß. Don Ralfo fährt fröhlich pfeifend mit seinem Drahtesel durch den Abend. Es ist die Melodie der Vorabendserie „Rosenheim Cops“, die eben im TV begonnen hat.
Es muß mir unverschämt gut gehen, denkt Don Ralfo, denn in der Abendstille klingt das Pfeifen doppelt laut und unverschämt. Die flauschige Windjacke hält ihn gut warm.
An der Sparkasse zieht er sich ein wenig Geld aus dem Automaten und fährt dann weiter zum Supermarkt. Er kauft sich Magerquark, Paprikaschoten und Zuccini fürs nächste Mittagessen.
Er hat aufgehört zu pfeifen, weil er angestrengt darüber nachdenkt, wie man aus der nass-kalt-fröhlich-pfeifenden Fahrradfahrt im Dunkeln ein „Haiku“ machen kann.
Das ist ein dreizeiliges japanisches Gedicht mit 5-7-5 Silben. Es gelingt ihm aber nicht, denn ein Haiku ist gar nicht so einfach.

Flirt mit der Vergangenheit für 1 Cent

Gestern kam so einiges mit der Post. darunter auch dieses Buch, welches ich für 1 Cent bei Amazon gekauft hatte. Kein Witz – so etwas gibt es wirklich! Die Portokosten von 3 Euro waren das Teure daran.
Dieses Buch ist knapp 2 Jahre Jünger als ich, vielleicht auch weniger. Erscheinungsdatum war 1956 und so riecht es auch.
Es ist in Leinen gebunden und exakt das gleiche Kinderbuch, daß ich damals besaß. Darauf hatte ich extra geachtet, denn ich erinnerte mich noch an den Leineneinband.
Die Qualität damals war augenscheinlich eine andere als heutzutage, wo die Bücher schon manchmal nach einmaliger Lektüre auseinander fallen.
Kennst Du den Geruch alter Bücher? Der Geruch dieses Buches ließ mich sofort in die Stimmung der fünfziger und frühen 60er abtauchen. Es ist das Buch, daß ich als Kind zigmal und immer wieder gelesen habe. Der Schriftzug auf der Vorderseite inspirierte meine Phantasie damals ungemein. Er erinnerte mich an eine Kaffeetasse, vielleicht von der damaligen Reklame für Machwitz-Kaffee her. (Die mit den drei Mohrenköpfen)
Warum kauft sich ein alter Mann von 54 Jahren ein Märchenbuch, noch dazu eins, daß er in und auswendig kennt?
Ich wollte unbedingt noch einmal die eine Geschichte darin lesen. Die von der Stadt auf dem Meeresgrund, die der kleine Nils Holgersson erlösen sollte und nicht konnte. Überhaupt ist dieses Märchen voller Trauriger Geschichten, die eigentlich zu viel für meine kleine Seele waren. Kein Vergleich mit den billigen Zeichentrickserien oder Filmen. Die haben auch nicht ein Stäubchen von der Magie dieses Buchs. Vielleicht werde ich es mal meinen Enkeln vorlesen, wenn sie alt genug dafür sind. Ich hätte große Lust dazu.

Lyrische Prosa

Der Strom meiner Gedanken fließt und fließt und fließt. Unaufhörlich produziere ich Ideen und Gedanken der merkwürdigsten Art.
Manche komisch, manche skurril und manche fromm.
Gedanken der Liebe, Hoffnung, Kritik und der Ablehnung – aber kein Hass. Gedanken über den Sinn des Lebens und über andere Menschen, über Politik, Religion und Kunst. Und über mich selbst.
Doch denke ich wirklich selbst…oder werde ich nur gedacht?
Dazu eine gruselige kleine Geschichte aus meiner Tastatur >>>

Lyrische Prosa

Der Strom meiner Gedanken fließt und fließt und fließt. Unaufhörlich produziere ich Ideen und Gedanken der merkwürdigsten Art.
Manche komisch, manche skurril und manche fromm.
Gedanken der Liebe, Hoffnung, Kritik und der Ablehnung – aber kein Hass. Gedanken über den Sinn des Lebens und über andere Menschen, über Politik, Religion und Kunst. Und über mich selbst.
Doch denke ich wirklich selbst…oder werde ich nur gedacht?
Dazu eine gruselige kleine Geschichte aus meiner Tastatur >>>

Bells of Bemerode

Die Kirchenglocken prügeln mich aus dem Schlaf – dafür sind sie wohl erdacht worden. Ich habe mein Fenster im Schlafzimmer nachts geöffnet – wegen der frischen Luft. Und die Kirche ist sehr nah, rechts neben dem Friedhof – eine seltsame Affinität.
Ich überlege, ob ich noch zum Gottesdienst gehen soll. Nein, keine Lust, aber ich höre den Glocken zu. Sie singen. Ja wirklich! Sie singen.
Wenn zwei mächtige Glocken in verschiedener Tonhöhe gleichzeitig schlagen, gibt es einen reichhaltigen Fluß von Zwischentönen – orgelgleich, die im Hintergund der schweren Schläge die schönsten Melodien erzeugen. Es sind die Obertöne der Glocken, die so singen und schwingen.
Ich denke an „Hells Bells“ von ACDC und denke, man sollte mal einen Song über „Heavens Bells“ erfinden. Irgdendeine alte hannöversche Rockband hatte mal den Titel „Bells of Bothfeld“ in ihrem Repertoire. Der war wirklich schön. Guter Gitarrist, dessen Gitarre wie eine Glocke klang. Sahnemäßiger Sound.
Ich stehe jetzt wohl doch langsam auf, denn ich bin mehr wach als noch im Schlaf.
Als ich die Gardine aufmache und das Fenster schließe, blendet mich ein helles Weiß von draußen. Dächer, Rasen und Wege sind mit einer Decke aus feinstem weißen Puderzucker bedeckt. Ja ist denn Weihnachten? Wie ist die Welt so schön heute?
Und die Glocken singen immer noch.

Seelenhungersnot

Dieser Rap ist denen gewidmet, die dabei sind, Gott den Rücken zu kehren. Nicht weil sie den Glauben an ihn verloren hätten, sondern weil ihnen die Kraft fehlt, seinen vermeintlichen Ansprüchen gerecht zu werden.

Seelenhungersnot

Bin aus meinem Boot gestiegen
dir zu folgen auf dem Meer
ich ließ alles stehn und liegen
lief dir einfach hinterher
ich gab alles für dich auf
und nahm jeden Weg in Kauf
nur um diesen Durst zu stillen
der mich quält von Jugend auf

Seelenhungersnot weiterlesen

Seelenhungersnot

Dieser Rap ist denen gewidmet, die dabei sind, Gott den Rücken zu kehren. Nicht weil sie den Glauben an ihn verloren hätten, sondern weil ihnen die Kraft fehlt, seinen vermeintlichen Ansprüchen gerecht zu werden.

Seelenhungersnot

Bin aus meinem Boot gestiegen
dir zu folgen auf dem Meer
ich ließ alles stehn und liegen
lief dir einfach hinterher
ich gab alles für dich auf
und nahm jeden Weg in Kauf
nur um diesen Durst zu stillen
der mich quält von Jugend auf

Doch ich krieg meine Seele nicht satt
sie will sich einfach nicht begnügen lassen
ich kriege meine Seele nicht satt
da ist ein Sehnen
und das lässt sich nicht in Worte fassen
und wenn ich dann in all
die andern Augen sehe
dann fühl ich keine Nähe
und ich merk
dass ich selber nicht
den Schmerz in mir verstehe

Was soll ich denn noch tun
hab doch schon so lang verzichtet
hab für dich und deinen Willen
jeden eignen Wunsch vernichtet
und nun sitz ich hier und denke
hat sich alles denn gelohnt
habe mich für dich geschunden
doch du hast mich nicht geschont

Und ich krieg meine Seele nicht satt
sie will sich einfach nicht begnügen lassen
ich kriege meine Seele nicht satt
da ist ein Sehnen
und das lässt sich nicht in Worte fassen
und wenn ich dann in all
die andern Augen sehe
dann fühl ich keine Nähe
und ich merk
dass ich selber nicht
den Schmerz in mir verstehe

Egal wo ich auch bin
selbst inmitten der Gemeinde
wo ich so gerne Freunde fänd
seh ich nur immer Feinde
sie fordern, treiben, drängen mich
und ich geb´ immer mehr
ja ich tu alles für das Lob
nach dem ich mich verzehr

Doch ich krieg meine Seele nicht satt
sie will sich einfach nicht begnügen lassen
ja ich krieg meine Seele nicht satt
da ist ein Sehnen
und das lässt sich nicht in Worte fassen
und wenn ich dann in all
die andern Augen sehe
dann fühl ich keine Nähe
und ich merk
dass ich selber nicht
den Schmerz in mir verstehe

Nun steh ich also hier
bin am Ende angekommen
frage mich ob das das Leben ist
das du für mich ersonnen
hattest du das hier vor Augen
als du starbst für meine Seele
dass ich mich nun für dich quäle
deine Ziele nicht verfehle
das ich demütig und wehmütig
nun meine Sünden zähle..

Nein ich will mich nicht begnügen
will die Hoffnung nicht begraben
es muss das echte Leben geben
und das will ich haben
werf das Joch von meiner Schulter
kämpf nicht mehr um meinen Wert
so ein Dienen ohne Liebe
ist doch durch und durch verkehrt

Und ich frag mich, kann es sein
dass ich schon lange deine Stimme
die mich in deine Nähe ruft
aus Furcht zum Schweigen bringe
und wieder hör ich dich
halte an und halte still
weil ich keine Kraft mehr habe
nicht mehr kann und nicht mehr will
muss endlich Liebe spüren
die im Innern mich berührt
meine Seele aus der Hungersnot
auf frische Weiden führt.
gib mir Leben, ich will leben
führe mich heraus ans Licht
du hast doch dein Herz gegeben
damit meines nicht zerbricht

V.K.