Archiv der Kategorie: Depressionen

>The show must go on

>In der Ausgabe vom 18.01.2011 nimmt der aktuelle Artikel  von „GEISTbewegt“ Bezug auf ein Tabuthema unter evangelikalen und pfingstlich orientierten Christen: Selbstmord!
Nun kommen Selbstmorde auch unter entschiedenen Christen vor, aber wenn der Selbstmörder auch noch ein „Heilungsevangelist“ ist? Dann…. ja dann spricht man schon nicht gerne öffentlich darüber und hält alles lieber unter dem Mantel des Schweigens. Na klar – eine Familie ist zurückgeblieben, der man nicht auch noch zusätzlich weh tun will – verständlich!
Aber wirft solch ein Suizid nicht auch schwerwiegende Fragen auf, welche ALLE „geistbewegten“ Christen etwas angehen?

In wieweit ist das christliche System mit seinem möglicherweise gnadenlosen geistlichen Leistungsdruck eine Ursache?
Wird überhaupt über solche Ursachen nachgedacht? Oder ist das nur Privatsache und der Mann war einfach nur krank?  Auf der Homepage des BfP heißt es nur lapidar: „Pastor Ekkehard Kreuzritter ist verstorben und in die Ewigkeit gegangen“.
Auf seiner eigenen Homepage gibt es zwei Werbefilme für den Heilungsevangelisten, die ihn in seinem „dynamischen“ Dienst zeigen. Wieviel Kraft solch ein ständiges Stehen in der Öffentlichkeit für einen seelisch kranken Menschen kostet kann wohl niemand ermessen, der nicht ähnliches durchlebt hat. In welch tiefe Verzweiflung muß solch ein Mann abgestürzt sein, der nicht nur selbst an göttliche Heilung glaubt, sondern sie auch offensiv predigt, lehrt und ausübt? Wie fern von jeder menschlichen und göttlichen Hilfe, ja wie einsam muß Ekkehard Kreuzritter gewesen sein?

„Bruder Ekkehard hatte mutig gekämpft und sich auch fachlich begleiten lassen“steht in seinem Nachruf.

Aber warum hat diese „fachliche Begleitung“ ihm nicht geraten sich aus dem Stress und Leistungsdruck der Öffentlichkeit zu verabschieden? ER schreibt in einem Gebetsaufruf:

„Auch meine Gesundheit möchte ich Dir und Deiner Fürbitte anbefehlen. Der Apostel Paulus war unter den Korinthern (1.Kor.2,4) in Schwachheit, Furcht und Zittern und diente ihnen trotzdem vollmächtig. Mir geht es häufig ähnlich und das bedeutet auch für meine Frau und unsere Familie eine Herausforderung.“ 

Ist der „Dienst für den Herrn“ wichtiger als die eigene Gesundheit und die eigene Familie? Er hinterlässt Frau und vier Kinder.
Ausnahmsweise möchte ich in diesem Zusammenhang mal das Video des christlichen Heilungspredigers Stefan Driess weiterempfehlen, dem Gott in einer Vision den „christlichen Jahrmarktsrummel“ gezeigt hat. Ich empfehle nicht generell diesen Mann oder seinen Dienst, denn meiner Ansicht nach ist er selbst eher ein Teil des Problems „christlicher Jahrmarkt“. Interessant ist für mich nur die erste halbe Stunde, bevor die Predigt richtig losgeht.

Zur veranschaulichung der Problematik hier mal das Video von Queen „The show must go on“, welches die grundlegende Problematik eines „Bühnenstars“ sehr gut veranschaulicht. Eben so, wie Freddy Mercury singt habe ich mich übrigens selbst in meiner intensivsten charismatischen Periode als Bibellehrer und Lobpreisleiter im CTZ Hannover gefühlt:
Inside my heart is breaking, my makeup may be flaking, but my smile… still stays on!

Empty spaces, what are we waiting for
Abandoned places, I guess we know the score
On and on, does anybody know what we are looking for
Another hero, another mindless crime
Behind the curtain in the pantomime
Hold the line, does anybody want to take it anymore
The show must go on, The show must go on
Inside my heart is breaking
My make-up may be flaking, but my smile… still stays on
Whatever happens I’ll leave it all to chance
Another heartache, another failed romance
On and on, does anybody know what we are living for
I guess I’m learning (I’m learning)
I must be warmer now
I’ll soon be turning (turning, turning) round the corner now
Outside the dawn is breaking
But inside in the dark I’m aching to be free
The show must go on, the show must go on, yeah
Oooh, inside my heart is breaking
My make-up may be flaking, but my smile… still stays on
Yeah oh, oh, oh
My soul is painted like the wings of butterflies
Fairy tales of yesterday will grow but never die
I can fly, my friends
The show must go on, yeah yeah
The show must go on, go on, go on
I’ll face it with a grin
I’m never giving in, on with the show
I’ll top the bill, I’ll overkill
I have to find the will to carry on
On with the, on wïth the show
The show must go on, go on, go on…
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>Allein

>Allein in der Nacht.
Der Himmel weint in der Dunkelheit. Ebenso wie ich.
Dunkele Tannen heben sich schwarz am Horizont vom Himmel ab, während in der Ferne der Schnellweg rauscht.
Der Regen plätschert, tropft und rauscht.
Ab und zu ein metallisches Geräusch – die Regentropfen spielen mit dem Metallsessel.
Allein oder All-Ein?
Ich sitze hier allein bin aber dennoch ein Teil des gesamten Universums, bin verbunden mit allen Menschen die mich beeinflussen und die auch ich beeinflusse.
Ich spreche mit Gott und offenbare ihm meine tiefsten Gefühle und Gedanken. Ehrlich bis aufs Messer.
Gott ist still und schweigt – aber er ist da und hört zu.

>Herr wohin sonst?

>Schönes Lied. Ist mir in einem neuen Depressionsforum begegnet. Mal wieder was Neues, wo ich mich rumtreibe. Bin zur Zeit zwar alles andere als depressiv, zähle mich aber grundsätzlich zur Gemeinde der Depressivos 🙂
Und drüber reden und schreiben ist immer besser als schweigen und vor sich hin brüten. Und vielleicht kann ich ein paar Leuten dort ein wenig Hoffnung vermitteln. 

Euphorie im Januar

Brr ist das kalt. Es ist ARSCHKALT!!!!
Irgendjemand hat den Winterbutton gedrückt und vergessen wieder loszulassen. Hee Petrus. Halloooooo?
Du da oooooben!
Und trotzdem bin ich gut drauf. Ja sogar sehr gut. Ehrlich gesagt bin ich zur Zeit regelrecht euphorisch.
Warum?
Hmm, tja – ein unerwartetes Geschenk im Januar, obwohl ich erst im November Geburtstag habe. Euphorie im Januar weiterlesen

Tod von Robert Enke wird vermarktet

Vielleicht hätte ich den „Nachtwächter“ ernster nehmen sollen, der über die HAZ von „Journaille“ sprach. Ich fand das Urteil ein wenig zu hart über meine geliebte Tageszeitung, im der ich jeden Morgen so gern schmökere.
Ich hatte auch nichts dagegen, daß in dieser Woche ausführlich über den Freitod von Robert Enke berichtet wurde. Natürlich interessierten mich die Motive und der Abschiedsbrief des auch bei mir beliebten Torwarts. Natürlich nimmt man Anteil am Schicksal seiner Witwe und denkt über die armen Lokführer nach, die durch solch einen Selbstmord auf den Gleisen traumatisiert sind.
Selbstverständlich muß auch die Krankheit Depression mehr in den öffentlichen Fokus gerückt werden, damit sie enttabuisiert werden kann. Die spontanen Trauerfeiern vorm Stadion, die Andacht in der Marktkirche und der spontane Trauermarsch waren anrührend, Ich kann verstehen, daß Menschen Rituale brauchen, um Abschied von Jemand nehmen zu können, der ihnen viel bedeutet hat. So weit – so gut.
In der Wochenendausgabe der HAZ vom heutigen Samstag begegnet mir das Gesicht von Robert Enke mal wieder auf Seite 1. Insgesamt zähle ich nicht weniger als 15 kleine und große Artikel über Robert Enkes Tod und die Folgen daraus. Dazu eine mehrseitige Beilage mit ganzseitigern, halbseitigen, viertelseitigen und kleinen Todesanzeigen und Nachrufen.

Im Leben warst Du mir außerordentlich Sympathisch, Robert. Aber im Tode gehst Du mir langsam gehörig auf den Sack!

Gut – das ist zum größten Teil nicht Deine Schuld, aber Du konntest sicher ahnen, welch große Wellen Dein spektakulärer Selbstmord schlagen würde. oder nicht?

Was sich nun in den gesamten Medien abspielt ist nicht mehr schön. Robert Enke wird grenzenlos vermarktet. Jeder Kerner im TV macht Sondersendungen und Talkshows zu diesem Thema. Man kann nicht mal mehr in Ruhe seine Sportseite aufblättern, ohne das irgendwo das Torwartidol hervorgrinst. Die Sportseiten waren die einzigen Seiten mit guten Nachrichten und dienten meiner Entspannung. Über die Krankheit Depression und Suizidalität habe ich mich schon ausreichend anderswo informiert weil ich selbst davon betroffen bin.
Vielleicht hätte sich die Gesellschaft und der Hochleistungssport schon mal eher Gedanken über die Volkskrankheit Depressionen machen sollen?
Und jetzt wird mit diesem Thema die Quote im Fernsehen erhöht und die Auflagen der Magazine und Zeitungen gesteigert und das Idol wird im Tode noch mehr überhöht und auf ein einsames Podest gestellt, auf dem es niemals stehen wollte – der Mensch war bescheiden!
Mit den Emotionen der Masse wird Fußball gespielt und Geld gescheffelt – ohne Gnade. Hin und her, hin und her werden sich die Bälle zugespielt. Verrückte Welt.
Wenn ich das Wort Idol höre kommt mir fast automatisch das englische Wort Idolatry in den Sinn, welches GÖTZENDIENST bedeutet.
Götzendienst wird definiert als die übermäßige Verehrung eines kultischen Bildes, einer Idee oder Objektes anstelle des zu verehrenden EINEN transzendenten Gottes.
Für mich ist das der Gott, über den die Bibel berichtet.
Viele Menschen wurden und werden in dieser übermäßigen Weise von den Massen verehrt: Rockstars, Sportler und Politiker wie Mao, Stalin oder Hitler.
Und leider übrigens auch so mancher charismatische Prediger oder Pastor in der christlichen Szene. (Eigentlich sollten wir Christen solch einen Götzenkult um Vorzeigechristen doch bemerken, oder?)
Götzendienst war schon immer auch gern mit dem Gott Mammon verbunden. (Die Mächte hinter den Götzen wissen, womit sie ihre Diener am Besten einfangen können)
Wo Idole verehrt werden fließt viel Geld. Sehr viel Geld. Die Idole der Rockmusik krepieren gern an Drogen und ihrem Luxusleben. Viele werden depressiv – dafür gibt es unzählige Beispiele. Götzendienst und Fankult ist nicht gut. Er zerstört die Leben der Idole und auch der Fans. Der Gott Mammon macht unsere Kultur kaputt. Und leider oft auch die Christliche! Und er lässt uns leer und traurig zurück in der Dunkelheit.

> Niggemeier zum Thema: Das Geschäft mit den Bildern
> Lebt er noch?

Depressionswellen

Man denkt so landläufig: „Wellen gibts nur im Meer oder auf dem See. Vielleicht noch in Flüssen.“
Aber im Grunde ist das ganze Universum eine einzige Wellenbewegung.
Es gibt Lichtwellen, Gravitationswellen und Radiowellen.
Der zielgerichtete Laserstrahl, der scheinbar immer gleichstark punktgenau auf ein klar definiertes Ziel gerichtet ist und seine ganze Energie dorthin abgibt, ist eine künstliche Erfindung des Menschen und kommt in der Natur so nicht vor. (Und selbst der Laserstrahl hat eine Wellenlänge)
Die Natur bewegt sich in Wellen – vom kleinsten Atom bis hin zum Licht der gößten Sterne. Wo immer eine Energie oder Kraft von A nach B transportiert wird geschieht das nicht gradlinig, sondern in Wellenform. Es gibt Wellentäler und Wellenberge – mal kommt mehr Masse oder Energie am Zielpunkt an und mal weniger. Und das mit verschiedener Geschwindigkeit. Die Taktfrequenz ist sehr unterschiedlich. Der Rhythmus ist oft nicht geradlinig sondern sehr unterschiedlich.
Auch die Amplitude, die Höhe der Wellenberge und Täler ist oft sehr unterschiedlich.

Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt

ist ein Bild für den manisch-depressiven Menschen, der in seiner manischen Phase scheinbar Bäume ausreissen kann und in der depressiven Phase nur noch am Boden liegt und gar nichts mehr zustande bringt.

Bei manchen Menschen ist die Amplitude des Lebens einfach dramatisch viel höher als bei anderen, die ein meist gleichmässiges „Auf und Ab“ erleben und im Leben gemütlich dahintreiben. Keine großen Wellen – alles plätschert so dahin.

Als mir Gott in letzen Frühjahr in einer starken Weise unaufgeforderet begegnete, dachte ich mal wieder, daß mich nichts und niemand von der Riesewelle herunterholen würde, auf der ich gerade surfte. Ein halbes jahr lang. ich dachte Gott hätte mich endgültig von meiner Depressionskrankheit geheilt. Er hatte mir das so nicht gesagt, aber ich hatte es mir so gedacht und erträumt.
Und dann kam die trübe Jahreszeit – mal wieder. Der Wellenberg war dahin und ich glitt unmerklich tiefer und tiefer in ein Wellental hinein. Die Welle brach sich und ich stürzte in die mächtigen Fluten der brechenden Welle, die mich unter sich begruben und mit mir machten was sie wollten. Ich wusste nicht mehr wo oben und unten ist.
Ich bin mir nicht sicher, wo ich im Moment bin, aber scheinbar kommt der rettende Strand näher. Es wird eine Zeit der Ruhe geben und dann wieder eine neue Welle. So geht das immer und immer wieder und ich werde nicht so recht klug daraus.

Surfbrett ganz beiseite legen und den Wellen aus dem Wege gehen? Geht nicht.
Wellen sind Naturgesetz. Lernen besser zu surfen und den Rhythmus der Wellen studieren? Vielleicht. Keine Ahnung.
Nach dem Winter kommt der Frühling, dann der Sommer, Herbst und dann ist wieder Winter. So ist das nun mal. Auf und ab. Auf und ab.

Bild: watch4U (Flickr.com)

Winterschlaf

Habe mich in meine Bärenhöhle zurückgezogen und halte Winterschlaf!
Ich komme nur ab und zu zum Pipimachen raus, gähne, schaue in die Runde und denke: „Nee, zu eisig alles hier!“ ick geh lieber weiterpennen erstmal und warte auf wärmeres Wetter.
Wenns im Frühling die ersten Blumen gibt, verlasse ich meine Winterhöhle wieder. 😉

Auf einer grünen Blumenwiese

Auf einer grünen Blumenwiese steht Freund Hein und winkt mir zu. Ich tue so als würde ich ihn nicht kennen und schaue in eine andere Richtung.
Der Himmel ist blau und strahlend, die Vögel zwitschern und freuen sich des Lebens. Die Sonne strahlt. Am Himmel sind ein paar nette weiße Wolken. In der Nähe murmelt ein Fluss.
Freund Hein steht immer noch da und winkt mir zu. Das Sonnenlicht spiegelt sich in seiner scharfen Sense. Er ist der Schnitter Tod. Will er zu mir?
Nein, nein, Du hast noch Zeit, bedeutet er mir mit einer Geste. Er spricht niemals, ist stumm, doch Du weißt trotzdem, was er sagt. Er hat so seine eigene Art zu reden.
Ein Mann liegt im Todeskampf, mitten auf der grünen Wiese. Er nimmt die bunten Blumen nicht mehr wahr, nicht den Gesang der Vögel.

Obwohl seine Lieben um ihn versammelt sind, kämpft er allein – chancenlos.
Er will leben, möchte noch bleiben, versucht den Tod aus sich herauszuwürgen. Ungläubig schaut er, kann es nicht fassen, daß ER gemeint ist – er wird doch noch gebraucht – hat eine liebe Frau und vier Kinder, die ihn lieben.
Doch Freund Hein kennt kein Erbarmen, er hat schließlich einen Auftrag. Seine Hand schließt sich fest um das Handgelenk des Sterbenden – er nimmt die scharfe Sense mit der anderen Hand und schneidet den Lebensfaden durch.
Hilfloses Entsetzen durchfährt Frau und Kinder. Die Beter werden stumm. Freund Hein trägt den Toten zu seinem Boot und rudert schnell mit ihm über den Fluss – außer Sichtweite.
Und wir alle bleiben zurück – sind stumm – erschüttert.
Jeder weint für sich allein. Einsam.

The wall on which the prophets wrote
Is cracking at the seams.
Upon the instruments of death
The sunlight brightly gleams.
When every man is torn apart
With nightmares and with dreams,
Will no one lay the laurel wreath
As silence drowns the screams.

Between the iron gates of fate,
The seeds of time were sown,
And watered by the deeds of those
Who know and who are known;
Knowledge is a deadly friend
When no one sets the rules.
The fate of all mankind I see
Is in the hands of fools.

Confusion will be my epitaph.
As I crawl a cracked and broken path
If we make it we can all sit back
And laugh.
But I fear tomorrow Ill be crying,
Yes I fear tomorrow Ill be crying.

King Crimson – Epitaph

Ein Psalm – von Ralle. Zur Leier gesungen.

Ich bin wütend!
Wütend auf mich und wütend auf Gott.
Wütend auf mich, weil ich mich nicht ändern kann.
Wütend auf Gott, weil er mich nicht heilt und ich weiter an mir leiden muß.

Wozu dieses sinnlose Leid?

Wozu die ständige Hoffnung auf ein Morgen, wenn sich doch nichts ändert?

Ich wünschte ich könnte schlafen – ewig schlafen – doch ich muß noch Meilen gehn, bevor ich ruhen kann.
Gibt es ein Himmelreich? Dann komme bald, Herr Jesus.

Warum diese ständige Verzweiflung? Immer wiederkehrende Belanglosigkeiten.
Gibt es eine zukünftige Hölle, oder bin ich da schon längst?

Ich bin wie Tantalus, der den Stein immerfort bergauf rollt, aber nie die Spitze des Berges erreicht. Und immer wieder entgleitet er und rollt bergab.
Ich kann nicht mehr und mag nicht mehr.
Macht mir keine neue Hoffnung, die doch nur wieder enttäuscht wird.

Die schlimmste Hölle wäre, wenn es zu den Höllenstrafen gehörte, an einen Erlöser zu glauben, der mich aus der Hölle rettet, um mich dann in das ewige Feuer zurückzuwerfen.
Immer und immer wieder.
Hoffnung auf Erlösung – die dann enttäuscht wird zu ständig tiefer gehender Pein im Sumpf des Verderbens.

Das kann kein Gott der Liebe sein, der sich so etwas ersann!
Nein so etwas gibt es nicht.
Das ewig Böse ist undenkbar und unvorstellbar.
Kein Gott der Liebe würde so etwas zulassen. – Wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht erlischt.

Depressivas Schönheit

Die Insel Depressiva ist ein großes Mysterium. Gestern fuhr ich in meinem Auto überland. Das Wetter war ungemütlich, dunkel und miesepetrig.
Nieselregen und vermatschte Strassen, alles düster und traurig.
In einem schönen großen Fachwerkhaus auf dem Lande kehrte ich ein.
Ein freundlicher weiser Mann redete mit mir, während ich es mir auf einem bequemen Sofa gemütlich machte.
Es war ein großer Raum mit dicken Holzbalken direkt unter dem Dach.
Ich erzählte ihm von meiner heimlichen Verschleppung nach Depressiva.
Da flüsterte er mir einen geheimen Trick ins Ohr, wie ich mein Los erträglicher machen könne.
Mir wurde ganz warm ums Herz und ich schöpfte neue Hoffnung. Der Trick war ganz einfach: Zu Gott gehen und mir neue Kraft von ihm holen. Mich selbst akzeptieren und mich nicht selbst wegen meiner Kraftlosigkeit beschimpfen!
Dankbar fuhr ich nach Hause.
Die ganze Inselwelt hatte sich plötzlich verwandelt. Ich nahm die verschiedenen Schattierungen des „Grau in Grau“ ganz intensiv wahr. Wunderschöne Bäume ohne Blätter standen am Wegesrand, die Äste wunderlich verschlungen und verknotet.
Ich glitt still durch die Landschaft, die ein großer Künstler wundersam verzaubert hatte.
Es wurde immer dunkler, aber das gelbe Licht der Autos malte verschiedene dunkle Farben an die Wände der alten Häuser und auf die Büsche und Bäume der Strasse.
Durch die diesige Luft bemerkte ich riesige Windräder, die sich langsam drehten – still und stumm.
Man hörte nur das Geräusch der nassen Reifen auf der Strasse.
Die Bauernhäuser schliefen so tief und friedlich ihren Schlaf des Vergessens. Kein Leben rührte sich hinter ihren Mauern.

Gott ist ein großer Künstler.

Wenn er das Land in Abenddämmerung taucht, wird Alles still. Nur die Schatten werden lebendig und fangen an ihre Geschichten zu erzählen.
Das Leid war vollkommen vergessen. Eine Ahnung von neuem Licht durchzog mich sanft.
Gott ist ein großer Künstler.