>Der Kniefall

>

2Chr 7,14 …und mein Volk, welches nach meinem Namen genannt wird, demütigt sich, und sie beten und suchen mein Angesicht, und kehren um von ihren bösen Wegen: so werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen.

Die meisten Länder dieser Welt feiern gern ihren Heldenmut, ihre militärische Macht oder moralische Überlegenheit.
An ihren Nationalfeiertagen paradieren die Soldaten, es werden Militärmärsche gespielt, Panzer und Raketen werden zur Schau gestellt.
Die Führer des jeweiligen Landes grüßen voller Nationalstolz von der Bühne.
Man ist stolz auf seine Siege und Errungenschaften und meint sich diese immer wieder vor Augen führen zu müssen. Frankreich nennt sich die „Grande Nation“. Die USA sprechen gar von „einer Nation unter Gott“ und beschwören regelmäßig den Pioniergeist ihrer Gründerväter.
Man bräuchte ein positives Bild und eine Vision für sein Land – sagt man.

In der Türkei gibt es gar den Straftatbestand der „Beleidigung der türkischen Nation, des Staates der türkischen Republik und der Institutionen und Organe des Staates“
Wer öffentlich an den Völkermord an den Armeniern anfang des 20sten Jahrhunderts erinnert, wird verfolgt und landet nicht selten im Knast.

Und in Deutschland kommt im Dezember 1970 ein Regierungschef daher und demonstriert ein komplett anderes Staatsverständnis!
In einer spontanen Geste kniet er am Mahnmal für die Gefallenen des Warschauer Ghettos nieder. Angesichts der vielen Toten und Greueltaten in deutschen KZs spürt er plötzlich. Es reicht nicht aus einen Kranz niederzulegen und schweigend den Kopf zu senken.
Er kniet nieder.
Eine einfache Geste, welche weltweit sofort und ohne Schwierigkeiten verstanden wird. Über alle Grenzen der Nationen und Religionen hinweg. Hier demütigt sich einer für die Sünden seines Volkes!

Der Spiegel schreibt später dazu:  

„Wenn dieser … für das Verbrechen nicht mitverantwortliche, damals nicht dabeigewesene Mann nun dennoch auf eigenes Betreiben seinen Weg durchs ehemalige Warschauer Getto nimmt und dort niederkniet — dann kniet er da also nicht um seinetwillen. Dann kniet er, der das nicht nötig hat, da für alle, die es nötig haben, aber nicht da knien — weil sie es nicht wagen oder nicht können oder nicht wagen können. Dann bekennt er sich zu einer Schuld, an der er selber nicht zu tragen hat, und bittet um eine Vergebung, derer er selber nicht bedarf. Dann kniet er da für Deutschland.“

Wie einfach – und doch – scheinbar so schwer: Das Eingeständnis der eigenen Schuld und Verantwortung. Das Eingeständnis des Scheiterns und der Verfehlung. Und weil das scheinbar so schwierig ist gibt es weiterhin Krieg und Terror, Hochmut und Stolz, Verdrängung der Schuld. Und die Kirche tut sich ebenso schwer mit dem Einräumen ihrer Sünde und ihres Versagens wie der Rest der Welt. Wo sie doch eigentlich das Vorbild für Demut sein sollte!
Und der einzelne Christ zeigt sehr gern auf die Schuld der Kirche und denkt ebenfalls oft nicht im Entferntesten daran zu seiner eigenen Schuld und Verantwortung für seine Missetaten zu stehen.
Wie soll bei einer solchen Mentalität eine Kirche, oder gar ein ganzes Land geheilt werden?
Was Willy Brandt damals symbolisch für uns alle tat war ein zutiefst menschlicher und geistlicher Akt. Er demütigte sich vor Gott und Menschen für die Schuld seines Volkes.

So tat es vor tausenden von Jahren auch der Prophet Daniel in Israel. Ohne eigene Schuld sich stellvertretend für sein Volk demütigen und um Vergebung beten. Er bekam daraufhin sogar Besuch von einem Engel:

Dan 9,20  Während ich noch redete und betete und meine Sünde und die Sünde meines Volkes bekannte und meine Bitte für den heiligen Berg meines Gottes vor dem HERRN, meinem Gott, geltend machte, ja, während ich noch mein Gebet sprach, flog eilends daher der Mann Gabriel, den ich anfangs im Gesichte gesehen hatte, und berührte mich um die Zeit des Abendopfers.

Ein mächtiger Engel berührte den Mann Gottes und gab ihm Einsicht und Erkenntnis. Und Gott wird uns und unser Land heilen wenn WIR uns demütigen und beten und sein Angesicht suchen. Nicht seine Wunder, Heilung, Hilfe oder Rettung… sein ANGESICHT  sollen wir suchen. Nicht einmal seine Vergebung oder Barmherzigkeit.
Warum? Um IHN und seine Wege zu erkennen. Um Erkenntnis Gottes zu erlangen. Um zu erkennen wo unsere eigenen Wege böse und unheilvoll sind und davon umzukehren.
Vergebung allein reicht nicht aus – wir müssen unsere bösen Wege komplett aufgeben und verlassen!
Erst dann wird Gott vom Himmel her hören, die Sünden unseres Volkes vergeben und unser Land heilen.

3 Antworten

  1. >Danke Ralle – super Artikel! Gruß Marina

  2. >ein stilles "..Amen" anfügt..

  3. >WOOW, du kannst es ja noch ;-))…genialer Beitrag!

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