Fünf gegen Sarrazin

Eigentlich hätte nur noch der Spruch von Seiten Beckmanns gefehlt: An dieser Stelle muß ich mich leider von Ihnen verabschieden und werde mit meinen anderen Gästen weiterdiskutieren. Welche da waren: Ranga Yogeshwar, Olaf Scholz, Renate Künast und Aygül Özkan. Der sechste der glorreichen Sieben war dann ein unbedeutender Sozialarbeiter. (Der siebte war der Geist des eingeblendeten Vorsitzenden des Zentralrats der Juden) Und die nach oben offene Naziskala schlug aus bis….

Was habe ich mich gestern abend (30.08. 2010) bei der schönen Talkshow „Beckmann“ amüsiert. Gäbe es Thilo Sarrazin nicht, man müßte ihn erfinden! Man hätte die Show auch nennen können: Eva Hermann Teil 2.

Wer irgend etwas Anderes als die heilige Inquisition in dieser Talkshow erwartet hatte wurde natürlich bitter enttäuscht. Denn Sarrazin hatte sich hinreißen lassen, die Worte „Gene“ und „Erbgut“ mit dem Wort „die Juden“ in ein und dem selben Satz zu kombinieren, was selbstverständlich nur den einen Schluß zulässt: Der Mann ist ein verkappter Nazi und eindeutiger Rassist! Erstaunlich war für mich allein die Tatsache, daß Herr Sarrazin den Mumm hatte sich diesem öffentlichen Tribunal zu stellen. Man mag ja über seine Thesen denken wie man will, aber etwas vom antiken Helden hat er für mich schon, der alte Haudegen. Oder vielleicht doch mehr vom Westernhelden Gary Cooper im Film 12 Uhr Mittags, der ganz allein einer Bande von übelen Revolverhelden Paroli bot um seine  Ehre zu retten? Anschließend warf er seinen Sheriffstern verächtlich in den Staub und zog sich ins Privatleben zurück, was Herr Sarrazin allerdings nicht freiwillig tun dürfte. Die Stadt hatte solch einen edelen Sheriff nämlich gar nicht verdient – diese Feiglinge! Und Deutschland eigentlich nicht diesen mutigen Haudrauf Thilo Sarrazin. Aber wir sind ja auch nicht mehr im wilden Westen.

Ich schlage Beckmann und seine Gäste für den Preis: „Realsatire des Jahres“ vor, welcher noch zu schaffen wäre. Einfach irre komisch, wie die öffentlich-(ge)rechtlichen Meinungsmacher sich anstrengen die Stimmung von 70 Prozent der Menschen in der Bundesrepublik Deutschland krampfhaft in die politisch korrekte Richtung zu schulmeistern.  Ich hätte mich vor Lachen biegen können….

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3 Antworten

  1. Ich hatte nur Ausschnitte der Presserunde zum Buch gesehen. Auffällig war, dass diejenigen, die das Buch vorher gelesen hatten, relativ sachlich in ihren Äußerungen waren. Und die vielen anderen bemühten sich, gegen Sarrazin Stimmung zu machen. Das eigentliche Thema „Deutschland verabschiedet sich“ tauchte so gut wie nicht auf.
    So arbeiten also diverse Journalisten… vielleicht lese ich deswegen nur noch selten Nachrichten…

  2. Hab`s auch gesehen und habe genau die gleichen Gedanken dazu wie Du sie hier so treffend aufgeschrieben hast. Ich glaube nicht, dass ich allen Aussagen Sarrazins zustimme, auf jeden Fall nicht denjenigen, wo er sich auf das Feld der Genetik begibt. Aber das Hermann/Kernersche Tribunalmuster des „schwöre öffentlich ab, oder wir stossen dich aus der Gesellschaft der Gutmenschen aus“ fand ich auch unerträglich tragikomisch.
    Tragisch deswegen, weil man einem mitbekommt, wie weit her es denn wirklich mit der Meinungsfreiheit in Deutschland ist. Es ist eine Eliteklasse aus Politik, Journalisten, Wirtschaft und Intellektuellen (z.B. ständig dieser Arnulf Baring) die einem vorgeben, wie man etwas zu verstehen und zu meinen hat. Abstossend! Fakt ist jedenfalls, dass Sarrazin auf ein brennendes Problem offen hingewiesen hat. Aus Sicht der „Meinungsmafia“ ist das ein mit Liquidation zu bestrafendes Vergehen, die Mehrheit der Leute ist ihm dafür aber dankbar, selbst wenn man nicht mit seinem Genzeug mitgeht und schon gar nicht irgendwie rechts oder ausländerfeindlich ist.
    Mann wie wenig werde ich den Beckmann noch mögen, selbst wenn er die Sportschau macht….

    • Tja die Genetik hätte er sich wirklich sparen können. Aber wer weiß ob das Buch eine solch nachhaltige Diskussion ausgelöst hätte, wenn er weniger provoziert hätte.
      Immerhin hat sich nun sogar der neue Bundespräsident am Tag der Einheit zu dem Thema geäußert. Oder äußern müssen?
      Nee, ich nehme jemand, der die erste türkischstämmige Migrantin zur Ministerin in Niedersachsen gemacht hat beim Thema Integration schon ernst. Ich fand seine Rede recht bewegend und stimmig. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut.
      Oder waren es nur seine Redenschreiber?
      Ich möchte gern glauben, daß er wirklich aus Überzeugung so geredet hat.

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