Tod von Robert Enke wird vermarktet

Vielleicht hätte ich den „Nachtwächter“ ernster nehmen sollen, der über die HAZ von „Journaille“ sprach. Ich fand das Urteil ein wenig zu hart über meine geliebte Tageszeitung, im der ich jeden Morgen so gern schmökere.
Ich hatte auch nichts dagegen, daß in dieser Woche ausführlich über den Freitod von Robert Enke berichtet wurde. Natürlich interessierten mich die Motive und der Abschiedsbrief des auch bei mir beliebten Torwarts. Natürlich nimmt man Anteil am Schicksal seiner Witwe und denkt über die armen Lokführer nach, die durch solch einen Selbstmord auf den Gleisen traumatisiert sind.
Selbstverständlich muß auch die Krankheit Depression mehr in den öffentlichen Fokus gerückt werden, damit sie enttabuisiert werden kann. Die spontanen Trauerfeiern vorm Stadion, die Andacht in der Marktkirche und der spontane Trauermarsch waren anrührend, Ich kann verstehen, daß Menschen Rituale brauchen, um Abschied von Jemand nehmen zu können, der ihnen viel bedeutet hat. So weit – so gut.
In der Wochenendausgabe der HAZ vom heutigen Samstag begegnet mir das Gesicht von Robert Enke mal wieder auf Seite 1. Insgesamt zähle ich nicht weniger als 15 kleine und große Artikel über Robert Enkes Tod und die Folgen daraus. Dazu eine mehrseitige Beilage mit ganzseitigern, halbseitigen, viertelseitigen und kleinen Todesanzeigen und Nachrufen.

Im Leben warst Du mir außerordentlich Sympathisch, Robert. Aber im Tode gehst Du mir langsam gehörig auf den Sack!

Gut – das ist zum größten Teil nicht Deine Schuld, aber Du konntest sicher ahnen, welch große Wellen Dein spektakulärer Selbstmord schlagen würde. oder nicht?

Was sich nun in den gesamten Medien abspielt ist nicht mehr schön. Robert Enke wird grenzenlos vermarktet. Jeder Kerner im TV macht Sondersendungen und Talkshows zu diesem Thema. Man kann nicht mal mehr in Ruhe seine Sportseite aufblättern, ohne das irgendwo das Torwartidol hervorgrinst. Die Sportseiten waren die einzigen Seiten mit guten Nachrichten und dienten meiner Entspannung. Über die Krankheit Depression und Suizidalität habe ich mich schon ausreichend anderswo informiert weil ich selbst davon betroffen bin.
Vielleicht hätte sich die Gesellschaft und der Hochleistungssport schon mal eher Gedanken über die Volkskrankheit Depressionen machen sollen?
Und jetzt wird mit diesem Thema die Quote im Fernsehen erhöht und die Auflagen der Magazine und Zeitungen gesteigert und das Idol wird im Tode noch mehr überhöht und auf ein einsames Podest gestellt, auf dem es niemals stehen wollte – der Mensch war bescheiden!
Mit den Emotionen der Masse wird Fußball gespielt und Geld gescheffelt – ohne Gnade. Hin und her, hin und her werden sich die Bälle zugespielt. Verrückte Welt.
Wenn ich das Wort Idol höre kommt mir fast automatisch das englische Wort Idolatry in den Sinn, welches GÖTZENDIENST bedeutet.
Götzendienst wird definiert als die übermäßige Verehrung eines kultischen Bildes, einer Idee oder Objektes anstelle des zu verehrenden EINEN transzendenten Gottes.
Für mich ist das der Gott, über den die Bibel berichtet.
Viele Menschen wurden und werden in dieser übermäßigen Weise von den Massen verehrt: Rockstars, Sportler und Politiker wie Mao, Stalin oder Hitler.
Und leider übrigens auch so mancher charismatische Prediger oder Pastor in der christlichen Szene. (Eigentlich sollten wir Christen solch einen Götzenkult um Vorzeigechristen doch bemerken, oder?)
Götzendienst war schon immer auch gern mit dem Gott Mammon verbunden. (Die Mächte hinter den Götzen wissen, womit sie ihre Diener am Besten einfangen können)
Wo Idole verehrt werden fließt viel Geld. Sehr viel Geld. Die Idole der Rockmusik krepieren gern an Drogen und ihrem Luxusleben. Viele werden depressiv – dafür gibt es unzählige Beispiele. Götzendienst und Fankult ist nicht gut. Er zerstört die Leben der Idole und auch der Fans. Der Gott Mammon macht unsere Kultur kaputt. Und leider oft auch die Christliche! Und er lässt uns leer und traurig zurück in der Dunkelheit.

> Lies auch: Der Freitod eines Torwarts und die Ethik

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2 Antworten

  1. Hier noch ein ganz schneller Link, bevor ich wieder weiter muss, aber nachdem man diesen Einblick in die Elendsvermarktung bekommen hat, beginnt ein echter Kampf gegen die Übelkeit:
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/das-geschaeft-mit-den-bildern/

  2. […] Cross Over: Tod von Robert Enke wird vermarktet […]

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