Geduldiges Ausharren

Röm 12,12 In Hoffnung freuet euch; in Trübsal harret aus; im Gebet haltet an;

Manche Christen wollen jegliche Form von Leid abschaffen. Sie lehren, daß Gott uns durch den Tod von Jesus am Kreuz ein „Rundum-Sorglos-Paket“ geschenkt hätte.
Uns stände Heilung für alle Krankheiten, Leben mit stets gefülltem Geldbeutel und allezeit ein Leben im „Sieg“ zu. Als Geburtsrecht sozusagen. Kein Leid soll uns treffen und alle Schwierigkeiten auf dem Weg wären vom Teufel und seinen Dämonen höchstpersönlich geschickt.
Komisch irgendwie daß Paulus hier empfiehlt in der Trübsal auszuharren, anstatt sie einfach wegzubeten! Warum gibt er nicht die Anweisung, den Mächten der Finsternis in diesen Situationen zu widerstehen und den Sieg des Herrn zu proklamieren?
War Paulus etwa kein Charismatiker? Doch – er sprach ja mehr in Zungen als die wilden Korinther zusammen! Er lehrte über Geistesgaben und übte sie auch selbst aus.
Er glaubte nicht nur an göttliche Heilung, er übte sie auch aus. Als eine Giftschlange nach dem Schiffbruch auf der Insel Malta sich an seiner Hand festbiss, schüttelte er sie einfach ins Feuer und blieb völlig gesund!
Wieso hatte er überhaupt Schiffbruch erlitten? All diese Unbequemlichkeiten – fast absaufen im Meer und sich mühsam an Land retten, wobei er literweise Salzwasser geschluckt hat. Hat er möglicherweise ungenügend eine siegreiche und unbeschadete Reise proklamiert?
Und diese Art Schwierigkeiten hatte er ja nun öfter, wie er an anderer Stelle manchmal berichtet:

2Kor 11,23ff Sie sind Diener Christi? Ich rede unsinnig: Ich bin’s noch mehr; ich habe weit mehr Mühsal, über die Maßen viele Streiche ausgestanden, war weit mehr in Gefängnissen, öfters in Todesgefahren. Von den Juden habe ich fünfmal vierzig Streiche weniger einen empfangen; dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten; einen Tag und eine Nacht habe ich in der Tiefe zugebracht. Ich bin oftmals auf Reisen gewesen, in Gefahren auf Flüssen, in Gefahren durch Mörder, in Gefahren vom eigenen Volke, in Gefahren von Heiden, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meere, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Arbeit und Mühe, oftmals in Nachtwachen, in Hunger und Durst; oftmals in Fasten, in Kälte und Blöße; zu alledem der tägliche Zulauf zu mir, die Sorge für alle Gemeinden.

Vielleicht hätte Paulus lieber mal bei Kenneth Hagin oder Helmut Bauer zur Bibelschule gehen sollen? Oder wie sie sonst noch alle so heißen, diese siegreichen Helden des Glaubens, die kein Leid und keine Krankheit kennen und deren Taschen immer randvoll vom Geld ihrer Nachfolger sind.

In Trübsal harret aus, sagt Paulus. Das Wort Trübsal (thlipsis) bedeutet im Urtext:
I.) d. Bedrängnis 1) übertr.: d. Druck durch d. äußeren Umstände oder durch innere geistige Beklemmung; d. Bedrückung, d. Drangsal, d. Trübsal, d. Schwierigkeiten, d. Anfechtung. 1Mo 35,3; Ps 34,18; Dan 12,1; Mt 24,9; Joh 16,21; Röm 5,3; Phil 4,14 uva.

Wir haben die Verheißung, daß Gott immer bei uns ist – auch in den Trübsalen und Bedrängnissen des Lebens von Außen und von innen. Wir haben nicht die Verheißung, daß wir von jeder Form von Leid verschont bleiben. Das sagt uns schon allein die Erfahrung im eigenen Leben und auch die Erfahrung von anderen Christen. Es ist Quatsch wenn wir annehmen daß die Christen, denen Leid widerfährt eben gesündigt haben oder alles im Glauben verkehrt machen. Gott lässt seine Sonne scheinen und seinen Regen fallen über Gläubige und Ungläubige, über die Frommen und die Atheisten, über böse und gute Menschen gleichermaßen.

Gott sei Dank, der uns allezeit in diesen Dingen den Sieg gibt. Der Sieg bedeutet eben nicht, daß Gott alle Hindernisse vor uns wegräumt, sondern daß wir Gottes Nähe und Liebe trotz allem Ungemach erfahren können.

Röm 8,35 Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: „Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden“. Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.

3 Antworten

  1. Danke dir – ich stecke auch gerade im dunklen Tal und erlebe es ähnlich…

  2. @Wegbegleiter: Dann wünsche ich Dir viel Ausdauer und Trost. Und vor allen Dingen die besondere Nähe des "Trösters". Und das Du Gottes Hand in dem allen spüren kannst.

  3. @ DonralfoDas, was du schreibst, höre ich zurzeit von überall und es spricht mir aus dem Herzen. (Außer, dass Kenneth Hagin, soweit ich es beurteilen kann, ein lieber, sehr demütiger Mann war, der Leute nicht, wie andere "Glaubenshelden", unter Druck gesetzt hat. Aber das ist eine andere Sache.:)) Toll, wenn alles glatt geht im Leben, aber wir brauchen auchMenschlichkeit, Wärme und gegenseitige Fürsorge, und die bleibt dann oft auf der Strecke. Andauerndes Wohlergehen scheint dem Charakter nicht gut zu tun. Wenn jeder Christ "Erfolg" hätte mit seinem theologischen Konzept – so wie du es beschrieben hast – bräuchte keiner den anderen.

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