Bells of Bemerode

Die Kirchenglocken prügeln mich aus dem Schlaf – dafür sind sie wohl erdacht worden. Ich habe mein Fenster im Schlafzimmer nachts geöffnet – wegen der frischen Luft. Und die Kirche ist sehr nah, rechts neben dem Friedhof – eine seltsame Affinität.
Ich überlege, ob ich noch zum Gottesdienst gehen soll. Nein, keine Lust, aber ich höre den Glocken zu. Sie singen. Ja wirklich! Sie singen.
Wenn zwei mächtige Glocken in verschiedener Tonhöhe gleichzeitig schlagen, gibt es einen reichhaltigen Fluß von Zwischentönen – orgelgleich, die im Hintergund der schweren Schläge die schönsten Melodien erzeugen. Es sind die Obertöne der Glocken, die so singen und schwingen.
Ich denke an „Hells Bells“ von ACDC und denke, man sollte mal einen Song über „Heavens Bells“ erfinden. Irgdendeine alte hannöversche Rockband hatte mal den Titel „Bells of Bothfeld“ in ihrem Repertoire. Der war wirklich schön. Guter Gitarrist, dessen Gitarre wie eine Glocke klang. Sahnemäßiger Sound.
Ich stehe jetzt wohl doch langsam auf, denn ich bin mehr wach als noch im Schlaf.
Als ich die Gardine aufmache und das Fenster schließe, blendet mich ein helles Weiß von draußen. Dächer, Rasen und Wege sind mit einer Decke aus feinstem weißen Puderzucker bedeckt. Ja ist denn Weihnachten? Wie ist die Welt so schön heute?
Und die Glocken singen immer noch.

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7 Kommentare zu „Bells of Bemerode“

  1. Wirklich ein schöner Tagesbeginn. Hier ist kein Puderzucker, hier sieht es eher sahnemäßig aus ;-)Die Glocken, obwohl reichlich vorhanden, haben mich noch nicht aus dem Schlaf reißen können, dazu sind sie zu weit weg. Aber unsere Patienten werden regelmäßig, das heißt stündlich (von 7 bis 22 Uhr), aus dem Schlaf gerissen.Und dass der Friedhof gleich bei der Kirche ist, hier ebenfalls üblich, finde ich eine sehr schöne Symbolik.

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  2. @Bento und Det:Jawohl, dieser Artikel hat durchaus Hintergedanken über die Symbolik! ;-)Der Gesang der „Himmelsglocken“ sollte Menschen aus dem geistlichen Tiefschlaf holen und vielleicht selbst Tote aufwecken können.Bei der Kirche mit dem angrenzenden Friedhof scheint mir oft der Friedhof die Oberhand zu haben und die Starre und Trägheit der KIrche zu symbolisieren. Eigentlich sollten wir mit unserem geistlichen Leben ja eher die Toten aufwecken.

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  3. @Hilde: Nee, ich bin nicht mehr im Winterschlaf, ganz im Gegenteil! Aber ich treibe mich zur Zeit in den weiten der Galaxis herum. Benny hat mich zu einem Computerspiel im Internet verführt, daß sehr zeitaufwändig ist. 😉

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