Leiden – als Christ?

In unserer Hauskirche lesen wir oft zusammen ein Kapitel aus der Bibel. Zur Zeit haben wir den 1. Petrusbrief in der Mangel. Dort lasen wir auch diese Verse:

1Petr 1,5-7 …die ihr in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt werdet zur Rettung, die bereit steht, in der letzten Zeit geoffenbart zu werden. Darin jubelt ihr, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, in mancherlei Versuchungen betrübt worden seid, damit die Bewährung eures Glaubens viel kostbarer befunden wird als die des vergänglichen Goldes, das durch Feuer erprobt wird, zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi;

Ich bin ja durchaus der Meinung, daß Gott es sehr gut mit uns meint. Ich glaube auch, daß Jesus Christus derselbe ist – gestern, heute und in alle Ewigkeit! Deshalb glaube ich, daß Gott auch heute noch die Kraft hat zu heilen, zu retten und zu befreien. Ich glaube auch daran, daß er das tatsächlich auch heute noch tut! Dafür gibt es viele biblische Verheißungen und Berichte von erlebter Heilung und Hilfe von Heute.

Es ist begeisternd, wenn man am eigenen Leibe miterlebt, wie Gott einem aus der Patsche hilft. Es tut gut, anderen zuzuhören, die von Gottes Wundern oder Hilfe berichten. Vielleicht kommen einige christliche Verkündiger aufgrund dieser Erlebnisse und Erfahrungen darauf ein Evangelium zu predigen, daß man in Kurzform so beschreiben könnte: Komm zu Jesus und es geht Dir gut! Du brauchst Dir um nichts mehr Sorgen zu machen, hast göttliche Gesundheit, Zufriedenheit und Glück gepachtet. Barry Mc Guire hatte mal einen Song mit dem Namen „Happy Road“, der ausdrückte, daß wir als Christen scheinbar immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen würden. Ich bekam bald ein schlechtes Gewissen, weil meine Lebenswirklichkeit eine andere war und dachte oft bei mir: Vielleicht bist Du ja noch gar kein richtiger Christ, wenn es Dir oft so schlecht geht?

Da kam es mir sehr gelegen, als ich Christen begegnete, die von der Kraft des Heiligen Geistes zu berichten wussten, denn mir war vom Bibellesen her klar, daß es ein „Mehr“ an Erfahrung von Gottes Güte, Hilfe und Kraft geben musste. In der vertieften Suche und Begegnung mit dem Geist Gottes und seinen Gaben erfuhr ich auch eine Vertiefung meines Glaubens, aber das Schlaraffenland lernte ich nicht kennen. 😉 Dann kam die „Glaubensbewegung“ und ich profitierte viel von den Büchern Kenneth Hagins und den Predigten seiner Adepten. Widerum ging es mir ein wenig besser in meiner Beziehung zu Gott, aber das gelobte Land, wo es kein Leid, keinen Schmerz und kein Geschrei gibt, entdeckte ich immer noch nicht.

Freunde, ich bin jetzt seit über 30 jahren Christ und habe so manche geistliche Welle über das Land rollen sehen und immer noch träumen viele Prediger diesen Traum vom Land, in dem es keinen Schmerz und kein Leid mehr gibt – und zwar hier in diesem Leben – auf der guten alten Erde. Dieses Land hat uns Gott allerdings erst im Himmel versprochen! Solange wir in der alten Hülle unseres Körpers leben müssen, wird Leid in der einen oder anderen Form unser ständiger Begleiter sein. Trotz vieler genialer Verheissungen in der Bibel, denen wir auch nachstreben sollen, gehört das Leiden zum Leben dazu, genauso wie der Tod. Darüber redet nicht nur Petrus allein, den ich hier noch einmal zitiere:

1Petr 2,19 Denn das ist Gnade, wenn jemand wegen des Gewissens vor Gott Leiden erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr als solche ausharrt, die sündigen und dafür geschlagen werden? Wenn ihr aber ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist Gnade bei Gott.

O Du armer Christ! Du sollst Unrecht erleiden? Und das ist auch noch Gnade bei Gott? Satan weiche von mir, sagen viele Christen dazu 😉 Ja wir schieben gern dem Teufel all das Böse zu, und Gott nur das Gute und haben dafür jede Menge Schriftstellen parat. (Wobei das Böse meist einfach nur alles ist, was uns Schwierigkeiten macht und womit wir nicht klarkommen) Aber Gott hat uns nie verheißen, daß wir in keine Schwierigkeiten kommen würden. Ganz im Gegenteil: Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen, sagte Paulus.

Wir haben die Verheißung, diese Trübsale zu überwinden, aber nicht die Verheißung von ihnen verschont zu bleiben.

Und dieses Überwinden geschieht auch nicht automatisch. Dieses Überwinden geht auch nicht immer instant und mühelos, eher im Gegenteil. Oft gibt es lange Zeiten, in denen wir durchhängen und scheinbar keine Hilfe in Sicht ist. Das hat viele Gründe. Es ist aber einfach so. Wenn es Dir gut und wunderprächtig geht – freue Dich drüber und suche kein Leiden! So mancher Christ fällt leider von der anderen Seite des Pferdes runter und kommt auf solche spinnerte Gedanken, sogar die sehr klugen und frommen. Sie machen das Leiden zu einer frommen Übung und bauen eine entsprechende Theologie drum herum. Alles Quatsch.

Aber andersrum sollte man wirklich nicht glauben, völlig von Gott verlassen zu sein, wenn man sein Päckchen an Schmerz, Krankheit oder Einsamkeit zu tragen hat.

1Petr 4,12 Geliebte, laßt euch durch das Feuer (der Leiden) unter euch, das euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes; sondern freut euch, insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, damit ihr euch auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit jubelnd freut! Wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet, glückselig seid ihr! Denn der Geist der Herrlichkeit und Gottes ruht auf euch. Denn niemand von euch leide als Mörder oder Dieb oder Übeltäter oder als einer, der sich in fremde Sachen mischt; wenn er aber als Christ leidet, schäme er sich nicht, sondern verherrliche Gott in diesem Namen! Denn die Zeit ist gekommen, daß das Gericht anfange beim Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen? Und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, wo wird der Gottlose und Sünder erscheinen?
Daher sollen auch die, welche nach dem Willen Gottes leiden, einem treuen Schöpfer ihre Seelen anbefehlen im Gutestun.

Das Wort Feuer, daß Petrus hier gebraucht bedeutet folgendes:

4451 purosis
< Tät. und Erg. von 4448 Subst.fem. (3)
I.) d. Verbranntwerden 1) als Erg.: d. Brand, d. Feuersbrunst, d. Hitze d. Feuers. Am 4,9; Offb 18,9.18 2) als Tät.: d. Feuerprobe bei Metallen, d. feurige Glut durch welche Metalle erprobt, geschmolzen, gereinigt werden.

Halloo Gemeinde! Es gibt ein Leiden nach dem Willen Gottes. Kein Leiden, daß Gott nur zulässt, sondern das er ausdrücklich will! Wir haben nicht nur Anteil an der Auferstehungskraft unseres Herrn Jesus, sondern auch an seinen Leiden! O ja, das möchten viele Christen gern hinwegdiskutieren, besonders diejenigen, die an die Kraft und Power des Heiligen Geistes glauben. Das Lamentieren, Diskutieren und Bibelverse bekennen nützt aber leider nichts gegen diese Wahrheit. Und wir sollen das Feuer und Brennen des Leides nicht als etwas Fremdartiges betrachten, sondern etwas völlig normales und Selbstverständliches. Dieser Meinung ist Petrus und übrigens auch Jakobus und Paulus.

Glaubst Du, daß Jesus nur am Kreuz gelitten hat, als er in der Welt war?. Falsch, lies die Bibel. Lies vom Verrat des Judas, lies wie seine Familie ihn behandelt hat. Lies die Geschichte von Gethsemane. Lies über seinen Ärger mit den Pharisäern und den Unglauben seiner Vertrauten!

Hebr 2,10 Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Urheber ihrer Rettung durch Leiden vollkommen zu machen.

Hebr 2,17 Daher mußte er in allem den Brüdern gleich werden, damit er barmherzig und ein treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen; denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden.

Hebr 5,7 Der hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten kann, und ist um seiner Gottesfurcht willen erhört worden

Ich bin nun nicht im Entferntesten der Ansicht, daß wir als Christen wie Trauerklöße mit Leidensmiene herumlaufen sollen, oder das Übel einfach fatalistisch hinnehmen – das sei ferne! 😉 Gott meint es nicht nur gut mit uns, sondern will grundsätzlich auch, daß es uns gut geht. Aber mit den Trübsalen, Anfechtungen und Versuchungen, die Gott ganz bewusst zulässt geht oft auch eine Lektion einher, die wir lernen sollen. (Spätestens jetzt fällt bei dem Voll-Power-Charismatiker die Jalousie, oder?) Unser Glaube, unser Vertrauen zu Gott wird getestet wie das Edelmetall und wir sollen gereinigt und gestärkt aus diesen Prüfungen hervorgehen. Unser Vertrauen soll tiefer werden, wir sollen noch tiefer in der Liebe des Vaters und in seinem Wort gegründet werden. Das Leiden ist nicht sinnlos, sondern hat einen Zweck und ein Ziel – Jesus ähnlicher werden! Barmherzigkeit mit Anderen lernen, die eben nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Mitfühlen können. Verständnis für die Schwächen Anderer gewinnen. Überwinden lernen! Charakter entwickeln. Erwachsen werden. Beten lernen, auch für Andere! Jesus wurde durch Leiden vollkommen gemacht. Was bedeutet dieses Wort „vollkommen“ eigentlich im Urtext?
5048 teleioo
I.) vollkommen machen 1) etw. vollenden d.h. vollständig zu Ende oder zum Ziel führen: etw. (zeitlich) beenden, vollführen, zu Ende bringen, zum Erfolg bringen; (Prophezeiungen) erfüllen bzw. zur Erfüllung bringen. 2Chr 8,16; Lk 2,43; Joh 4,34; 5,36; 17,4; 19,28; Apg 20,24 2) zur Reife, zur Vollendung bzw. zur Perfektion bringen: 2a) von Dingen: vollenden was noch nicht fertig ist um es vollkommen und einwandfrei zu machen; etw. zu einem vorgesehenem Ende bringen. von Personen: vollkommen machen bzw. werden (im geistlichen Sinn).

Gott ist wesentlich mehr an unserem geistlichen Wachstum interessiert, als an unserer Bequemlichkeit!

Gehört Krankheit auch zu dem Leid, das gottgewollt ist?

Ja und nein. Gott schickt keine Krankheiten, um uns zu erziehen. Er will, daß wir für Heilung beten – das gehört zu unserem Auftrag als Jünger Jesu. Aber Gottes Ziel ist nicht in erster Linie unseren Körper heil und gesund zu machen, sondern unser ganzes Leben samt der Seele, der Gedankenwelt und unserem ganzen Verhalten in der Welt. Es wäre erziehungstechnisch nicht sonderlich klug, jemandem der an starkem Übergewicht leidet und dadurch krank wird, immer wieder das Fett abzusaugen, die kaputten Gefässe zu erneuern und das physische Herz auszutauschen. Und selbstverständlich alles instant und sofort durch Handauflegung. Das mag sogar hin und wieder vorkommen, aber ich denke Gott will daß wir lernen vernünftig zu leben! Gesund Essen, nicht nur vor dem TV oder PC hocken, sondern sich an der frischen Luft bewegen, massvoll mit Alkohol und Genussmitteln umzugehen. Viele Krankheiten werden uns nicht vom Teufel geschickt, sondern sie resultieren aus unserer unvernünftigen und ungesunden Lebensweise. Auch aus Bitterkeit, Neid, Hass, Streit und nicht-vergeben-wollen.

Krankheiten können auch einfach Signale unseres Körpers oder der Seele sein, die uns sagen wollen: Du lebst unvernünftig und schädigst Dich und Andere mit deinem Verhalten. Ändere dein Denken und deine Lebensweise!

Ja selbstverständlich will Gott jeden Menschen heil und gesund sehen, keine Frage. Aber Krankheiten sind ein völlig normaler Bestandteil unseres Lebens und nichts Fremdartiges. Widerum sage ich nicht, daß wir sie passiv hinnehmen sollten, weder bei uns noch bei Anderen. Aber Gott ist nicht böse auf uns, wenn wir krank sind. Er hat uns auch nicht verlassen, sondern kann und will alles zum Guten wenden. Ich halte es für sinnlos und bedenklich, wenn wir uns zusätzlich zu unserer Krankheit noch einen „Glaubensstress“ auferlegen, wenn wir krank sind. Stress kann bekanntlich noch kränker machen 😉 Und vor allen Dingen sollten wir keine anderen Christen unter „Glaubensstress“ bringen, indem wir sie zutexten, von Heilung vollpredigen und ihnen damit womöglich noch ein schlechtes Gewissen einreden. Du glaubst nicht richtig und ernst genug! Durch Deinen Unglauben hast Du Deine Heilung verspielt und Ähnliches. Kranke brauchen Verständnis und Liebe, keine frommen Anklagen noch zu ihrem Leid obendrauf. Ich habe diesen Quatsch zuhauf erlebt! So ist Jesus nicht mit Kranken umgegangen! Er hat wohl seinen Jüngern Unglauben vorgeworfen, aber nicht den Kranken! Die hat er einfach gesund gemacht. Also stelle keinen Kranken unter frommen Druck, sondern mach ihn gefälligst gesund, wenn Du an göttliche Heilung glaubst!

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Ein Gedanke zu „Leiden – als Christ?“

  1. Guter Artikel, sehe ich genauso.

    Jesus hat seinen Jüngern Kleinglauben vorgeworfen – nicht Unglauben. Kleinglaube ist ein von falscher Geisteshaltung und Zweifeln geschwächter Glaube, aber Unglaube lehnt den Glauben kategorisch ab.

    Ist vielleicht etwas kleinlich, aber ich finde die Unterscheidung wichtig. Ansonsten habe ich nichts auszusetzen. 😉

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