Kommunikation – Beziehung – Ehekrise – Trennung

Vielleicht haben es ja einige in unserer kleinen Hauskirche noch nicht gemerkt. Aber die Beziehung zwischen Mann und Frau ist der große Dauerbrenner in unserer Gemeinschaft. Lange Zeit war es ein running Gag, dieses neckische Spielchen über die richtige Theologie und den Stellenwert der Frau in der Gemeinde und Ehe. Die Frage der Unterordnung unter den Ehemann als Oberhaupt der Familie und wie der Ehemann es wohl schaffen soll, seine Frau so zu lieben, wie Christus die Gemeinde liebt (Nämlich bis hin zum Tod am Kreuz). So etwas lesen wir im Brief des Paulus an die Epheser.

Eph 5,24 Wie nun die Gemeinde Christus untertan ist, so seien es auch die Frauen ihren eigenen Männern in allem. Ihr Männer, liebet eure Frauen, gleichwie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat

Wir diskutierten darüber, was der Urtext der Bibel wirklich zu bedeuten hat und ob manchmal aus patriarchalischen Gründen falsch übersetzt wurde u.s.w. Während der ersten Jahre unserer Hausgemeinde waren einige Ehen bei uns in schwierigem Fahrwasser. Wir pflegten ein sehr offenes Gespräch über unsere Beziehungs- und Eheprobleme. Wir beteten füreinander. Wir gaben einander Ratschläge und Seelsorge. Zwei Ehen kriegten die Kurve, eine Ehe ging zu Bruch. Die Risse waren nicht mehr zu kitten, zuviel war kaputtgegangen. Es war sehr traurig, diese Verletzungen und Schmerzen nicht heilen zu können. Es war sehr traurig zu erleben, wie der beste Rat nicht weiterhalf. Natürlich war unser Rat begrenzt und unser Gebet vielleicht manchmal schwach. Aber wir waren sehr offen zueinander, mehr als ich das jemals in einer christlichen Gemeinde erlebt hatte.

Dann kamen neue Leute hinzu. Allesamt lebten von ihrem Ehepartner getrennt und standen vor der Scheidung. Wollte Gott uns als Hauskirche damit etwas sagen? Sollten wir eine Art Auffangbecken für ehegeschädigte Christen sein? Heute morgen tönte aus dem Radio, daß mittlerweile 40% aller Ehen kaputtgehen. Offenbar sind auch wir Christen von dieser Welle des Zeitgeistes nicht verschont geblieben. Früher dachte ich immer, Scheidung und Wiederverheiratung sei ein typisches Problem der amerikanischen Christen.

Es war mir sehr suspekt, wie schnell dort Ehen geschieden wurden und offenbar mit dem Segen der (Frei) Kirche wieder geheiratet wurde.

Und das manchmal mehrmals hintereinander. Ich dachte immer die Ehe unter Christen sei ein Bund mit Gott für die Ewigkeit: Bis das der Tod uns scheidet! Wozu sonst erst heiraten? Aber offensichtlich kann die Ehebeziehung auch unter deutschen Christen manchmal so dermassen schwierig werden, daß gar nichts mehr geht. Das ist besonders tragisch, wenn Kinder beteiligt sind. „Was tun wir in unseren „tiefgläubigen“ Freikirchen, wenn das Kind nun mal in den Brunnen gefallen ist? Meiden wir die „gottlosen“ Ehebrecher oder stossen wir sie sogar aus der Gemeinde aus? Haben wir Rat, Hilfe und Begleitung für die Beteiligten nach so einem „Ehe-Unfall“ oder behandeln wir sie nur noch wie Aussätzige, die gerade so eben noch in der Gemeinde toleriert werden? Schweigen wir lieber über die traurigen Vorfälle und kehren alles möglichst sauber unter den Teppich? Ist Gott mit den gescheiterten Eheleuten etwa am Ende? Zeigen sie durch ihr Scheitern, daß sie von Gott abgefallen sind und nun nicht mehr in den Himmel kommen? So mögen manche christlichen Saubermänner denken. Ich weiß darüber bescheid, denn ich war früher selbst mal einer von denen. Ich kann nicht daran glauben, daß der Gott der Liebe irgendjemand von sich wegstößt, der gesündigt hat oder in seinem Leben als Christ gescheitert ist. Denk mal an das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner. (Luk.18, 10-14) Wer von Beiden wurde von Gott gerechtfertigt? Die vielen gescheiterten Ehen in Deutschland sprechen meiner Meinung nach unter Anderem von einer steigenden Beziehungs-Unfähigkeit.

Hat die Gemeinde eine Antwort auf dieses Problem?

Wie wichtig sind gesunde Beziehungen in einer Gemeinde? Sind wir als Menschen vielleicht auch in unseren schönen Freikirchen oft isoliert und vereinsamt? „Das kommt bei uns nicht vor, wir sind eine liebevolle Gemeinde und treffen uns mindestens 3mal pro Woche“, mag vielleicht jemand sagen. Aber wie sehen unsere „liebevollen“ Beziehungen untereinander denn wirklich aus? Sind sie nur darauf begründet, daß wir im gleichen Aktionsteam der Gemeinde oder in der gleichen Arbeitsgruppe sind? Wie sieht es mit denen aus, die unsere beliebten Arbeitsgruppen aus irgendwelchen Gründen verlassen? Werden unsere „liebevollen“ Beziehungen noch weiterhin gepflegt, wenn Menschen Probleme bekommen und durchs Gemeinderaster fallen? Beziehungen gehen nur dann tiefer und werden tragfähig, wenn man zusammen redet und kommuniziert. Wenn die Meinung, das Denken und Fühlen des Anderen mich überhaupt nicht interessiert, kann es keine gesunde und liebevolle Beziehung oder Freundschaft geben. Wenn Beziehungen in einer christlichen Gemeinschaft nur auf dem gemeinsamen Glauben oder noch schlimmer: der Rechtgläubigkeit des Anderen beruhen, kann es keine echte Freundschaft und Liebe geben. Die Kirchen und Gemeinden, die ich bisher persönlich kennengelernt habe, waren mehr oder weniger totalitäre Systeme. Einer, oder eine kleine elitäre Gruppe hatte das Sagen und der Rest hatte sich gefälligst unterzuordnen! Wo kommen wir denn hin, wenn das dumme Volk mitregieren würde? „One Size fits all“ – Der große oder kleine Gemeindehut wird allen auf den Kopf gesetzt und hat gefälligst zu passen. Alles was übersteht wird abgeschnitten. Was nicht passt, wird passend gemacht. Und sonntags kommt die Predigt-Dusche, um alle Zweifelnden auf Kurs zu bringen. Die Hauskreise sind meist Spiegelbilder des Sonntagsgottesdienstes, nur etwas lockerer.

Über Zweifel, Fragen, Probleme und Sünde wird nicht geredet.

Für die wird schnell gebetet und wenn das nicht hilft muss man halt in die Seelsorge und wird ein „Fall“. Wie sollen da echte, reife und mündige Beziehungen entstehen? Kein Wunder, daß der „Scheidungsdämon“ auch in unsere superfromme Welt der Gemeinde Einzug gehalten hat: Die Kommunikation ist eine sehr einseitige. Von Oben (Der Kanzel) nach unten (Der Gemeindetrottel) Wir erziehen eine Generation von Radfahrern: Nach oben buckeln und nach unten treten. Aber das Treten machen wir natürlich voller Liebe und nennen es Ermahnung. Jeder möchte natürlich gern nach oben, denn auf der Bühne wird man gesehen und als Mensch wahrgenommen. Aber leider ist die Kanzel oder Bühne zu eng für so viele. Da müssen die Leute rauf, die den anderen am Besten stecken können, wie unmündig, passiv und lau der Rest ist. Oh ja, das kann man gut sehr liebevoll und fromm verpacken! Aber Kommunikation ist immer eine zweiseitige Angelegenheit, sonst funktioniert sie nicht auf Dauer. Die Leute, die immer nur gesegnet und beregnet werden, werden auf Dauer sehr unzufrieden und möchten auch gern mal etwas zu sagen haben. Vor allem möchten sie als echte Menschen wahrgenommen werden. Wenn wir als Gemeinde irgendeine gesellschaftliche Relevanz bekommen möchten, ist das der wichtigste Punkt, an dem wir arbeiten müssen: Beziehung und Kommunikation untereinander und mit Nichtgläubigen! Raus aus dem frommen Ghetto und mit allen Menschen reden, diskutieren, feiern, spielen und austauschen. Und vor allen Dingen: Zuhören lernen und nicht zupredigen lernen. Ein endloses Thema. Gut für Deinen Hauskreis, Deine Gemeinde oder Hauskirche. Bitte einsteigen und abfahren! Gottes Segen an Alle

Bilder: Gerd Altmann (www.pixelio.de)

7 Antworten

  1. Zwei schwule Pinguine adoptieren ein Küken und ziehen es groß. Ich verstehe das nicht? Sind wir denn So uninteressant??
    Mia 😦

    • Hallo Mia,
      schön, daß Du kommentierst, aber leider kann ich den Kommentar nicht deuten! 😉
      Gruß
      Ralf

  2. Manchmal ist es schwierig Gedanken in Worte zu fassen, vorallem wenn sie bitter sind, aber ich möchte es trotz dem Versuchen. Vor vielen Jahren bekehrte ich mich in eine große ev. Freikirche und war als Jungchrist vom Leben sehr begeistert, weil davor viel seelische Schmerzen war. In diese Kirche glaubte man Berge versetzten zu können, zu mal das der Hauptprediger ein Dr. der Psychologie war. Zwei jahre nach der Bekehrung lernte ich meine Frau kennen, weil ich glaubte Berge versetzen zu können und ich mir nicht vorstellen könnte überhaupt Probleme zu haben. Was ich später erfuhr war, wie oberflächlich diese Gemeinde war und sie öfter Fremdprediger einluden, weil sie die Gemeinedemitglieder nicht befrieden konnten. Nachhinein bemerkte ich wieviele sich scheiden ließen. Als ich meine Frau kennenlernte gabs nur Streit, aber wir konnten von einander nicht ablassen, bis wir heirateten, denn geistlichen Beistand gabs sowiel, wie der geistliche Zustand der Gemeinde. Wir haben eine kleine Tochter und die mußte einmal eine Hornhautinplantation über sich ergehen lassen, weil meine Frau Unfall hatte. Vor drei Tagen als meine Frau und meine Tochter mit dem Auto unterwegs zu ihre Mutter war hat sich der Wagen auf geradem Wege überschlagen. Sie kamen heile raus. Ich denke und glaube, wenn ich wirklich aufrichtige Christen als Beistand hätte und ich gelernt hätte zu unterscheiden welche Frau richtig und nicht richtig ist, dann wären mir viele schmerzen und Leid erspart geblieben. Meine Frau tut mir leid, weil wenn sie den richtigen geheiratet hätte wäre sie jetzt eine glückliche Frau. Nach dem ich erfuhr, dass die Gemeindeführung bewußt Eheprobleme unterm Tisch kehrt, habe ich mich mit Zorn von dieser unseglichen Gemeinde entfernt, ohne mich zu verabschieden. Jetzt seit vielen Jahren gehe ich nicht mehr zu eine Gemeinde, aber unsere Ehe geht es auch nicht besser. Man kann kein glückliches Eheleben führen, wenn man mit dem Partner zwar durch dick aber nicht durch dünn gehen kann. Ich merke nach sovielen Jahren, wie wichtig es ist den richtigen Partner zu heiraten, sonst ist es ein Qual, weil es gibt kein Zurück ;-(.
    Diese Beschreibung wiederspiegelt keines wegs meine Schmerzen und habe deshalb wegen Rücksicht auf andere verharmlost geschrieben.

    Liebe Grüße an alle und GOTTESSEGEN

    • Vielen Dank für Deinen bewegenden und ehrlichen Kommentar!
      Es gibt vielleicht kein Zurück aber doch einen Weg nach vorne! Wir brauchen oft sehr viel Geduld mit unserem Partner und der Situation. Manchmal geht alles über unsere Kraft und wir sehen keinen Ausweg, aber Gott kann alles ändern. Wir lernen unsere Lektionen leider oft nur durch viele Schmerzen hindurch, aber der Vater im Himmel trägt uns trotz alledem.
      Ich wünsche Dir viel Glück und alles Gute! Und natürlich auch die Hilfe und Führung Gottes auf Deinem und Eurem gemeinsamen Weg.
      Ralf

      • Hallo donralfo,
        danke für dein Mitgefühl. Auch wenn deine Worte trostend sind hilf es mir leider nicht weiter. Ich erinnerne mich wie damals in meine alte Gemeinde immer gepredigt wurde wie Männer Gottes sein sollten, aber ich kann mich nicht erinnern wie die Frauen Gottes sein sollten. Diese Gemeinde erntet was sie gesät haben, denn durch die einseitige Lehre konnten sie die Beziehungsprobleme und geistige Unruhen nicht in den Griff bekommen. Ich habe ein mal meine Frau gefragt was sie unter „Tugend“ versteht. Die Antwort war eine geistliche Wiederspiegelung der Gemeinde, weil in diese Gemeinde nie darüber geredet wurde. Ich hatte den Eindruck, das in diese Gemeinde eher die Rollen der Geschlechter vertaucht waren. Ich möchte dich bitten, wenn du Zeit und Lust hast eine Seite über TUGEND für Frauen und Männer zuverfassen. Ich habe das starke Gefühl, das dieses Thema in den letzten vielen Jahren sehr vernachlässigt wurde.

    • Hallo! Also erstmal: Die Ansichten hier, für ALLE Menschen (auch Nichtgläubige) ein offenes Ohr zu haben, finde ich super!
      Zu deinem Beitrag kosmo: Dermaßen unglücklich in einer Ehe zu stecken, klingt wirklich schrecklich…vielleicht solltet ihr euch mal Hilfe suchen, sei es in Form von Ratgebern aus dem Internet wie ( http://www.beziehung-retten.info ), Büchern oder Paartherapie…Du kannst das doch nicht einfach so hinnehmen und dein Leben so zuende Leben? Vielleicht spürt eure Tochter ja auch, dass ihr unglücklich seid? Es gibt immer einen „Weg nach vorne“ trifft es meiner Meinung nach sehr gut… Ganz viel Erfolg!

  3. Auch Christen haben es nicht einfacher. Vielleicht geben sie aber nicht so schnell auf wie andere

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