Mein schlimmster Feind

Mein schlimmster Feind ist zur Zeit offensichtlich Herr H. aus P. Wohlgemerkt, ich bin nicht sein Feind, er ist mein Feind!
Herr H. war mal ein guter Freund von mir, mit dem ich zusammen sogar oft auf der Bühne stand, um die Lobpreisgitarre zu schwingen. Wir verstanden uns sehr gut und hatten einen ähnlichen Faible für Quatsch und Humor. Ich mochte ihn wirklich sehr gern, war mit ihm zusammen auf Konferenzen und sogar auf einem gemeinsamen Gemeinde-Einsatz im wilden Osten, kurz nach der Wende. Wir teilten die Liebe zur Musik.
Ich wunderte mich, als ich nicht zu seiner Hochzeit eingeladen wurde – ich dachte wir wären Freunde.
Später waren wir über längere Zeit in einem frommen Kreis wiedervereint und er gestand mir, daß ich ihn mal (für mich unabsichtlich) herbe verletzt hätte, was ich auch einsah und ihn um Vergebung bat.
In diesem frommen Kreise nun geschah es, daß es mir über viele Jahre nicht sehr gut ging. Mental und auch körperlich. Ich geriet ins zweifeln über die Autorität von Gottes Wort, der Bibel.
Wir diskutierten viel über die Wahrheit der Schrift und wie man sie auszulegen hätte.
Herr H. wurde dabei oft sehr persönlich und kritisierte mich heftigst.
Ich hatte des öfteren schon die Schuhe angezogen, um den frommen Kreis zu verlassen, da Herr H. nicht aufhören wollte, mit mir zu streiten, obwohl ich klar signalisiert hatte, daß für mich „EOD“ wäre. (End of Diskussion)
Wir versöhnten uns immer wieder.
Dann scheiterte die Ehe von Herrn H. So etwas hat immer zwei Seiten und es ist schwierig und möglicherweise auch sinnlos, die Schuldfrage zu stellen. Jedoch rutschte Herrn H. des öfteren die Hand aus, weil er sich mit verbalen Attacken offenbar nicht gegen seine Frau durchsetzen konnte.
Auch in unserem frommen Kreis gab es immer wieder Streit um Herrn H., weil er Diskussionen niemals beenden wollte, wenn man seiner Meinung nicht recht gab.
Ich wurde daraufhin auch mal sehr gemein zu ihm und leitete die email-diskussionen, die er mir aufdrängte an unseren frommen Kreis weiter. Das macht man eigentlich nicht, aber ich wollte die Diskussion endlich beenden und holte mir so quasi die Anderen zur Hilfe.
Irgendwann ging ich mal wieder auf ihn zu, um mich zu entschuldigen und zu versöhnen.
Aber Herr H. gab keine Ruhe. Immer wieder brach er im frommen Kreis unversöhnliche Diskussionen vom Zaun und reagierte nicht auf meinen und unsere Wünsche, das zu beenden.
Es kam so weit, daß meine Frau und ich den frommen Kreis vor die Wahl stellte: Entweder kommt der nicht mehr wieder, oder wir bleiben weg.
Es endete damit, daß Herr H. sich freiwillig entschied, nicht mehr zu kommen.
Seine Frau reichte die Scheidung ein, weil sie die Beziehung, seine frommen Sprüche und Schläge nicht mehr ertragen konnte.
Wenn ich Herrn H. nun zufällig traf, machte er nur noch abfällige Sprüche über mich oder meine Frau. Darüber war ich schon recht sauer und ich ließ mich noch einmal zu einer kleinen Boshaftigkeit hinreißen – einer anonymen email unter falschem Namen, um ihn zu foppen. Nein keine Fäkalausdrücke oder dergleichen, aber ein diskreter Hinweis auf eine seiner Schwächen, die er mir aber immer angekreidet hatte.
Später telefonierten wir einmal, ich gab meine Sünde zu und bat ihn um Entschuldigung dafür.
Alles schien in Ordnung zu sein. Er legte scheinbar freundlich den Hörer auf – vergeben und vergessen!
Jedoch gibt mir Herr H. seitdem nicht mehr die Hand, wenn wir uns zufällig begegnen.

Vorgestern war die Beerdigung eines guten Freundes von uns Beiden. Die Kapelle war gerappelt voll, so daß Herr H. und ich nur noch Stehplätze bekamen. Wir standen uns in 20 Meter Entfernung rein zufällig direkt gegenüber. Herr H. blickte durch mich hindurch, als ob ich Luft wäre.
Ich dachte so bei mir, wie schön es wäre, wenn es über dem Grab unseres gemeinsamen Freundes Frieden zwischen uns geben könnte. Wenn wir uns umarmen könnten und die Vergangenheit einfach vergessen. Aber den, den ich einmal sehr gern hatte, gibt es wohl nicht mehr.
Mir fiel plötzlich ein, daß ich mein Handy noch nicht ausgeschaltet hatte. Ich hatte es über der Trauer einfach völlig vergessen. Wie peinlich, wenn es während des Gottesdienstes plötzlich geklingelt hätte. Ich griff in die Tasche und machte es aus.
Auf dem Weg zum Grab liefen wir uns über den Weg. Herr H. zischte mir von oben herab zu: „Aber das nächste Mal machst Du Dein Handy aus!“ und ging sofort weiter, während ich kleinlaut murmelte: „Aber es hat doch gar nicht geklingelt“. Dann war er weg.
Zwischen verletzten Brüdern gibt es wohl keinen Frieden über Gräbern! ?
Nur Ratlosigkeit.

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3 Antworten

  1. Zur Versöhnung gehören immer zwei. Wenn der eine nicht will – nicht kann, dann bleibt nur, ihm auch noch die Unversöhnlichkeit zu vergeben. Schade, traurig, aber man kann niemanden zwingen. Selbst unter Brüdern nicht.

  2. Echt traurig.Kenne ähnliche stories von Christen.Hatte versucht, zu vermitteln.Aber irgendwie war da der Wurm drin (oder ein Dämon?).Die Gespräche schienen alles nur noch schlimmer zu machen.Menschlich einfach nur schmerzhaft und enorm traurig.Geistlich völlig daneben, dass es mich nicht wundern würde, wenn da auch finstere Mächte am Werke sind.Segen für Dich und ihn!Dirk.

  3. @Alle: Heute morgen habe ich noch mal intensiv für die Angelegenheit gebetet und Gott gefragt, ob ich etwas tun soll oder kann. Ich hatte keinen Frieden über einen Telefonanruf oder Kontaktaufnahme zwecks Versöhnungsgespräch. Heute Nachmittag kam dann rein „zufällig“ die geschiedene Frau von Herrn H. zu Besuch, um sich bei uns auszuweinen.Herr H. hat sie 3 Jahre nach ihrer Trennung wegen eines angeblichen Betrugsdeliktes angezeigt. Er hat keine Vorteile durch eine Verurteilung, außer dem zweifelhaften Gefühl, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.Wir haben zusammen gebetet und Herrn H. gesegnet. Dirks Gedanke über eine dämonische Beteiligung an der Sache wurde durch unser Gespräch sehr aktuell. Aber ich werde es beim Segnen belassen ;-))

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