Multiple Persönlichkeit?

Goethe ließ seinen Dr. Faust mal sagen: „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!“
Später wurde dieses spannende Thema von Robert Louis Stevenson in seinem Buch „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ auf die gruselige Spitze getrieben.
Doch auch schon unser aller Freund Paulus kannte den Widerspruch zwischen „Geist“ und „Fleisch“ oder dem „alten“ und dem „neuen“ Menschen.
Es scheint fast so, als ob in einem Körper zwei völlig verschiedene Persönlichkeiten ihr zuhause hätten: Die eine will das Gute, Wahre, Heilige und Gerechte und die Andere das Böse, das Chaos, die Zerstörung und den Hass.
Paulus gibt uns gute Empfehlungen in seinen Briefen, wie wir mit diesem Dilemma umgehen sollen, aber davon soll hier jetzt nicht die Rede sein.

Das erste mal las ich in einem alten science fiction Roman von jemand, der eine multiple Persönlichkeit gewesen sein soll. Ich fand das recht witzig damals.
In den 80iger Jahren war ich voll mit der Gründung einer charismatischen Freikirche beschäftigt, was damals das Zentrum meines Denkens war. Ich lebte hauptsächlich für die kommende „Erweckung“.
Nebenbei hatte ich aber auch noch eine Berufsausbildung und eine Ehe mit damals 3 Kindern zu absolvieren. Eine Ehe mit 3 Kindern kann man allerdings überhaupt nicht absolvieren ;-))
In jener Zeit fiel mir des öfteren auf, daß ich scheinbar noch mehr als nur 2 verschiedene Persönlichkeiten in meinem Körper beherbergte: Bei der Arbeit war ich ein völlig Anderer als zu hause. Und in der Gemeinde war ich widerum ein Anderer als z.B. beim Einkaufen oder Autofahren.
Bei der Arbeit war ich fleissig und gewisenhaft. Zuhause war ich faul und ließ sehr oft fünfe gerade sein. In der Gemeinde war ich ein Heiliger, aber beim Autofahren hätte ich manchmal zum Mörder werden können.
Das klingt vielleicht lustig, ist aber sehr ernst, denke ich.
War ich ein auch so ein Fall von multipler Persönlichkeit?
Waren es gar Dämonen, die in mir wohnten und ihr Spiel mit mir trieben? – Aber ich hatte mich doch von allem Okkulten und Familienbelastungen, Flüchen und dergleichem völlig losgesagt und zigmal für mich beten lassen. Nein – Dämonen waren es sicher nicht.
Ich denke eher, es waren die verschiedenen Rollen, die man in der Gesellschaft zu spielen hat, die sich einfach verselbstständigen können und meine wahre Persönlichkeit zudecken.
Man kann sich in den verschiedenen Rollen möglicherweise total verlieren, wenn man nicht aufpasst.
Eine Rolle hat immer etwas mit Schauspielerei zu tun – und die Welt ist unsere Bühne.
Jesus nannte diese Art von Schauspielerei Heuchelei. Wenn es bei ihm heißt: „Seid nicht wie die Heuchler!“, dann steht im Urtext eigentlich: „Seid nicht wie die Schauspieler!“
Ziemlich sicher kannte Jesus damals echte Schauspielerei, da es im alten Israel tatsächlich römische oder griechische Amphitheater gab.
Gott möchte das wir „Eins“ sind, daß wir „heil“ sind und nicht so eine zersplitterte Persönlichkeit.
Er möchte, daß wir uns selbst kennen und entdecken, wer wir in Wahrheit sind: Eine wunderbare neue Schöpfung in seinem Ebenbild.
Er hat geplant, daß wir „ganz“ sind. Leib, Seele und Geist sind eine Einheit! Ich bin nicht nur Geist, sondern auch ganz Körper und Seele.
Und ich brauche keine Rollen mehr zu spielen, sondern darf
ganz und gar ich selber sein!
Praise the Lord.++++++

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5 Antworten

  1. Klingt wirklich gut – kenne ich bestens von mir selbst. Aber wie ändert man das? Jenseits der frommen Beschreibung? Nun bin ich schon 18 Jahre Christ und immer noch nicht gelassener in manchen Dingen… eins sein, echt sein, das sind alles tolle Schlagworte (die ich bald nicht mehr hören kann), die große Not ist die Frage: und wie geschieht die Veränderung? Aber vielleicht hast du ja Tipps aus deiner Erfahrung?

  2. @wegbegleiter: Wenn es da eine „Instant-Lösung“ gäbe, hätte ich die auch gerne ;-))Ich denke eher, es ist möglicherweise ein lebenslanger Kampf, in dem wir da stehen. Krisen und Leid gehören genauso dazu wie Freundschaft und Ermutigung von Anderen.Jetzt werde ich mal ketzerisch: Möglicherweise braucht man ein gehöriges Maß an Rebellion gegen die Gemeinde, Gesellschaft oder Arbeitsstelle, Familie und Ehepartner! Kurz gesagt: Allen denen gegenüber, die mich sehr gern in eine bestimmte Rolle pressen möchten, damit ich umgänglich und pflegeleicht bin. Das bedeutet Auseinandersetzungen, mobbing und Unverständnis von Vielen. Aber ich weiß nicht, ob es billiger zu haben ist, wirklich echt zu sein.

  3. Über etwas ähnliches dachte ich gestern Abend auch nach. Ich hab ein Buch: Der Mensch und seine Symbole. Es geht um das Unbewusste und den Zugang dazu. Dieses innere ich, dass ich doch auch bin und zu dem ich keinen bewussten Zugang finde, weil er eben UNbewusst ist. Und dass doch so einen großen Einfluss auch mich hat. Dass dieses Unbewusste über Symbole „spricht“, weil es anders nicht geht. Alles, was ich bewusst nicht erfassen kann, kann ich nur intuitiv erfassen, symbolhaft. Und ich dachte, dass „dort“ irgendwo die Wohnstätte des Geistes sein wird, die Andockstelle. Nachdem Geist nicht Seele ist und damit nicht der Zustand, der über Emotionen erfahrbar wird, scheint das zusammen zu passen. Dass, was ich tue, bin schon immer ich, auch wenn ich das garnicht so haben mag. Ich bin viel mehr als ich weiß und wenn es heisst, dass Gott mein Herz sieht, dann weiß ich nicht, ob ich das so gut finde, denn ich weiß nicht, ob da nicht schlimmeres ist, als ich denke. Ich hatte aber kein im Alltag umsetzbares Ergebnis, ich bin eingeschlafen.

  4. @Trümmerlotte: Sehr interessant, was Du da schreibst. Ich empfinde das ganz ähnlich. Allerdings finde ich es sehr gut, daß Gott mein Herz sieht! Das bedeutet doch, daß er mich komplett so angenommen hat, wie ich wirklich bin, als ich durch den Glauben an Jesus gerettet wurde. Er kennt meine dunkele Seite und hat mich trotzdem noch lieb. Er hat keinen Heiligen gerettet, sondern einen Sünder. Außerdem denke ich noch, daß unser Geist genauso erfahrbar ist, wie unsere Seele, auch wenn er nicht materiell ist. Ich kann ja auch Gottes Geist erfahren und wahrnehmen. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie Induktion. Da entsteht doch auch elektrischer Strom, obwohl es keine direkte Stromquelle gibt, einfach durch ein Magnetfeld. Also keine direkte Berührung von Stromquelle und Stromkreislauf. Man muss quasi nur unterscheiden lernen was seelische Emotion ist, und welche Emotionen oder Gedanken vom Geist „induziert“ werden.

  5. Und DAS ist echt schwer. Ich denke, dass jede Emotion auch geistgesteuert ist. Wobei es nicht immer grad Heiliger Geist ist. Luther hatte so eine schöne Formulierung dafür (die mir grad nicht einfällt, hab nur das Bild vor Augen). Unter irgendeinem Einfluss stehen wir immer. Der reine Verstand ist ein Trugschluss (worauf auch die Wissenschaft grad kommt, bzw. wird es inzwischen mal publiziert). Mich nerven Emotionen, ich fühl mich oft mir selber ausgeliefert. Wenn ich tue, was ich nicht will. Und ich tu so oft, was ich nicht will. Oder will ich es doch? Und will nur nicht, dass ich es will? Hach ja… 🙂

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