Ein Herz für Afrika

Reinhard Riemer ist ein evangelischer Pastor im (Un)Ruhestand in Laatzen bei Hannover. Vorgestern hatte er seinen 66sten Geburtstag. Den hat er mit dem Männerkreis der Kirche und seiner Sportgruppe gefeiert. Es war sehr gemütlich bei Kaffe und Kuchen, Kerzen, Bierchen und Wasser.
Aber der Höhepunkt war auf jeden Fall sein Vortrag mit Diaschau über Tansania, daß Land, an dem sein Herz hängt.
Dort war er 17 Jahre als christlicher Pfadfinder und Pastor tätig. Seine liebe Frau war mit dabei.
Die Gesellschaft der Senioren wurde auffallend still, als Herr Riemer von seinen Erlebnissen und persönlichen Eindrücken erzählte. Ich denke, er hätte viel Geld sammeln können, als er über die allgemeine Not des Landes erzählte. Man konnte die Betroffenheit bei uns Reichen, die wir doch alles haben, im Raum spüren, als Riemer über seine Schüler sprach, die im Unterricht umkippten, weil sie den Weg zur Schule, der viele Meilen lang war, ohne Essen zurücklegen mussten.
Aber der schlichte und Bescheidene Pastor wollte kein Geld sammeln, sondern nur von Afrika erzählen – dem Land, für das sein Herz schlägt.
Z.B. die Geschichte vom Krieg, als Idi Amin von Uganda aus das Land überfiel. Wie alle Menschen Schützengräben zum Schutz vor Granaten und Raketen ausheben mussten.
Um 19.00 Uhr war absolute Ausgangssperre und es war stockfinster. Ab 21.00 Uhr wurde ohne Vorwarnung auf Jeden geschossen, der noch draußen herumlief.
Eines abends klopfte es aber um 21.15 Uhr an die Tür. Draußen stand eine verzweifelte Mutter, deren Tochter in den Wehen lag und die unbedingt ins Krankenhaus musste.
Die meisten Frauen sind in Tansania als Kind beschnitten worden, was erhebliche Schmerzen und Probleme bei jeder Geburt mit sich bringt.
Herr Riemer überlegte nicht lange und brachte die Hochschwangere Frau mit seinem Landrover ins nächste Krankenhaus. Natürlich fuhr er ohne Licht und hatte Glück, daß die Armee auch sehr oft mit dieser Art Auto unterwegs war.
Die Geburt begann, als er die Frau gerade an der Tür des Krankenhauses abgegeben hatte. Alles war gut gegangen.
Er betreute einige kirchliche Einrichtungen, Projekte und Schulen. Auf der Fahrt mit dem Jeep oder Rover hatte er immer seine private Hausapotheke dabei.
Einmal gab er jemand ein paar Aspirin oder Schmerzmittel, der krank war.
Seitdem sprach es sich überall herum, daß „der Europäer“ Medikamente besitzt!
Seitdem war er mehr als Arzt, denn als Pastor tätig. Von überall her kamen die Hilfesuchenden herbei und Herr Riemer besorgte aus Deutschland die nötigen Medikamente.
In ausweglosen Notlagen von Menschen wurde für sie gebetet und dann sogar die kleinen notwendigen chirurgischen Eingriffe gemacht.
Sollte man die Leute lieber an den tiefen, eiternden und oft riesigen Wunden sterben lassen?
Die Menschen überlebten und wurden gesund. Niemand musste sterben.

Mir wurde die Liebe Gottes zu den Menschen bei diesen Geschichten gegenwärtig und ich musste mehr als einmal mit den Tränen kämpfen.

Es gibt auch Männer Gottes, die keine große Klappe haben und nicht viele fromme Worte machen, bei denen aber offensichtlich wird, daß sie unserem Herrn Jesus von ganzem Herzen nachfolgen.
„An der Liebe soll man Euch erkennen“
Was nützt es, den Menschen groß zu predigen, wenn sie Hunger haben oder krank sind?
Ein „Fürbitter“ ist jemand, der in die Bresche springt, wenn Not am Mann ist.
Danach kann man ihnen auch noch das Evangelium nahe bringen, nicht andersrum. Mir schwante, daß die evangelische Kirche das moderne „missionale“ Denken und Leben teilweise schon lange praktiziert. Es bemerkt nur womöglich kaum jemand?

Tansanische Frau beim Ziegenmelken.

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