Schubladitis die Zweite

Vor ein paar Tagen hat sich Günter J. über die gefährliche Erkrankung der chronischen Schubladitis ausgelassen.
Heute morgen las ich in der Zeitung über eine Gruppe von Menschen, die auch partout in keine Schubladen passen: Die Zwitter und Intersexuellen.
Es soll in Deutschland so um die 100000 Menschen von dieser Sorte geben, die man nicht eindeutig in ein spezifisches Geschlecht zuordnen kann.
Es wurde von einer Frau Christiane berichtet, die als Baby eine vergrößerte Klitoris hatte, die von der Hebamme als kleiner Penis gedeutet wurde. Daraufhin wurde sie als „Junge“ eingestuft und ihr wurden schon im Kindesalter die Eierstöcke und Gebärmutter entfernt.
dann wurde sie mit männlichen Hormonen behandelt und als Junge aufgezogen, obwohl sie genetisch eine Frau war.
Man muß ja schließlich in eine Schublade passen, sonst wird man als Kind und Heranwachsender von den Anderen nur gehänselt und gequält. Deshalb ist die benannte Christiane auch kein Einzelfall sondern auf diese Weise wird standardmässig verfahren.
Die Medizin geht wohl im Normalfall davon aus, daß das Geschlecht in der Kindheit problemlos gewechselt werden kann, da es hauptsächlich „Erziehungssache“ sei.
Aber die benannte Christiane fühlte sich als „Christian“ trotz vorhandenem Penis nicht wohl und wollte gerne eine Vagina haben, als sie erfuhr, daß sie genetisch eigentlich eine Frau war.
Die Krankenkasse wollte eine Operation aber nicht zahlen, worauf Christiane vor Gericht klagte.
Wie gesagt ist Christiane kein Einzelfall. Es gibt sehr viele Menschen, die sich in ihrer Geschlechterrolle nicht zu hause fühlen.
Die meisten Menschen hätten es aber lieber gerne eindeutig. Zweideutigkeit macht unsicher und hilflos. Wir brauchen unsere festen Schubladen. Wir brauchen Ordnung und Sicherheit.

Als Christen haben wir die Bibel als Leitfaden, der für Ordnung sorgt. Und das ist auch gut so.
Denn das Leben ist sehr kompliziert und man bekommt in der Regel keinen Beipackzettel oder Betriebsanleitung bei der Geburt mitgeliefert.
Es trifft sich gut, daß Gott uns sein Wort geschenkt hat, um für Orientierung zu sorgen. Es ist sehr sehr hilfreich in allen Lebenslagen und gibt guten Rat und Weisheit zum Leben.

Aber die Bibel gibt über viele Sonderfälle und Ausnahmen unseres Leben einfach keine Auskunft. Sie schweigt getrost über viele wichtige Dinge und mutet uns zu, selber nachzudenken und nach dem Willen Gottes zu suchen und zu forschen.

Aber wenn bei uns als freikirchlich geprägten Christen die Rede auf Schwule und Lesben kommt, ist ja von der biblischen Lehre her alles klar: Schwule sind widernatürliche Sünder und fallen unter Gotters Gericht, oder? (Röm.1,26-32)
Schublade auf, alles Unnatürliche rein, Schublade zu und Pänggg!
Aber was wissen wir eigentlich über die Gründe von Homosexualität oder Intersexualität und anderen Formen geschlechtlicher Verirrungen?
Was wäre, wenn die Benannten gar keine Chance hätten anders zu empfinden, als sie es tun?
Wenn man als Frau z.B. einen zu hohen männlichen Hormonspiegel hätte oder als Mann einen zu hohen weiblichen?
Was wäre, wenn die Körperchemie nicht richtig funktionieren würde? Wenn die Chromosomen nicht eindeutig gepolt sind, so wie es bei Intersexuellen oft der Fall ist?
Was ist uns wichtiger: Die richtige Schublade, oder der Mensch?
Nehmen wir die Menschen überhaupt noch als richtige Menschen wahr, wenn sie sich partout nicht in unsere (Oder Gottes?) Schubladen pressen lassen?
Sind alle dann für uns nur Rebellen und Aufwiegler gegen Gottes Ordnung?
Vor einigen Jahren gab es in einer freikirchlichen Gemeinde unserer geliebten Stadt Hannover einen Rieseneklat, helle Aufregung und viel Wirbel weil der Pastor sich als Homosexueller outete bzw. seine Neigung öffentlich wurde. Das geht doch gar nicht mit dem Amt als Pastor zusammen, meinten die Einen. Die anderen hielten trotzdem zu ihm.
Die Gemeinde zerriss an dieser Spannung. Ein eindeutiger Fall von Schubladitis? Oder ein eindeutiger Fall von schlimmer Sünde?
Ich habe nicht genug von den beteiligten Personen gehört und kannte den Pastor auch nicht persönlich, so daß ich mir überhaupt kein Urteil erlauben kann. Ich hörte nur, daß sowohl der Pastor, als auch viele Gemeindemitglieder sich die Sache keineswegs leicht gemacht haben.
Eins sollte uns jedenfalls klar sein: Wer in keine Schublade passt, hat es sehr schwer im Leben.
Auch Jesus war einer von denen, die in keine Schublade passen. Man nagelte ihn ans Kreuz.

Ein Bibellehrer und Freund von mir, Michael Schiffmann sagte des öfteren über Gott, daß er in keine theologische Schublade passen würde. Welche biblisch fundierte Theologie auch immer man auf Gott anwenden würde, immer würde irgendein Arm oder Bein von Gott irgendwo aus der Schublade raushängen.
Er passt einfach in keine menschliche Kategorie oder Box herein!
Diesen weisen Spruch sollte man aufmerksam immer wieder bedenken. Gibts dafür eigentlich auch einen Bibelvers? wahrscheinlich schon, mir fällt nur gerade keiner ein ;-))
Mit wem wollt ihr mich vergleichen? steht glaub‘ ich irgendwo.

Eins weiß ich jedenfalls sicher: Gott liebt Menschen. Und zwar ALLE – Gerechte und Ungerechte – Sünder und Heilige – Arme und Reiche – Weiße und Schwarze – Demokraten und Nazis- Punker und Bürohengste – Terroristen und Spießbürger -Islamisten und Atheisten –

Und sein Gebot lautet nicht: Sortiert alle Menschen säuberlich in Schubladen ein, sondern liebt alle Menschen gleichermaßen. Sogar unsere Feinde. Und unseren Nächsten. Und natürlich vor allen Dingen unsere Glaubensgeschwister.
Auch wenn sie in keine sexuelle Schublade passen.

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