+ Helmut Tank +

Gestern war ich auf einer Trauerfeier im alten Annastift in Hannover.
Helmut Tank ist tot.
Er war ein beeindruckender Mensch.
Mit 17 Jahren erkrankte er schwer an Kinderlähmung und musste jahrelang auf der Intensivstation künstlich beatmet werden.
Er lag dort nicht im Koma, sondern bei vollem Bewusstsein. Die Lähmung erstreckte sich vom Hals an abwärts und hatte die gesamte Atemmuskulatur betroffen, so daß er einen Luftröhrenschnitt bekam, durch den er mit einer künstlichen Kanüle beatmet wurde.
Ich begegnete ihm zum ersten Mal 1975, als ich im Wohnheim für Schwerstbehinderte Zivildienst machen sollte. Eigentlich wollte ich im normalen Fachkrankenhaus arbeiten, aber man hatte mich zu den Behinderten verfrachtet, die mir Angst machten.
Das Gespräch mit ihm nahm mir die Angst und ich blieb nach dem Zivildienst noch viele Jahre im Wohnheim als Pfleger hängen. Es war eine richtungweisende und wichtige Zeit in meinem Leben.
Helmut konnte mittlerweile im Rollstuhl sitzen und atmete durch geschickte Schaukelbewegungen im Rollstuhl mit den Atemhilfsmuskeln. Nur im Liegen musste er an das Beatmungsgerät.
Er hatte einen unbändigen Lebenswillen und Drang zur Freiheit. Bei den meisten Schwerbehinderten im Wohnheim hatte ich den Eindruck, daß sie nur um sich selbst und ihre Behinderung kreisten und sich selbst bemitleideten, aber nicht Helmut.
Er ergab sich nie in sein Schicksal, sondern machte das Beste daraus. So machte er in fortgeschrittenem Alter noch eine Fachschulausbildung und fing an zu studieren.
Er dachte nicht nur an sich selbst sondern setzte sich intensiv für seine Mitbewohner ein.
Als ich ihm von meinem Glauben an Jesus erzählte meinte er: „Schön, daß Du mir so offen und ehrlich von Deinem Glauben erzählst“. Er freute sich darüber und wurde nicht komisch, ablehnend oder sarkastisch, wie so viele Andere.
Helmut war ein richtiger „Mensch“. Ein außergewöhnlicher Mensch. Ich mochte ihn sehr gern.
Vor vielen Jahren traf ich ihn mal zufällig bei Karstadt, wo er mit seinem Elektrorollstuhl umherrollte.
Er erinnerte sich noch an mich, obwohl die Pflegekräfte und Zivis im Annastift über die Jahre reichlich wechseln.
Seitdem hatte ich immer wieder so ein Bauchgefühl und Drängen im Herzen, ihn im Annastift zu besuchen. Ich glaube, das kam von Gott. Immer wieder dachte ich daran, setzte es aber nie in die Tat um. Nun ist es zu spät dafür. Schade.

Er hatte viele Freunde und bei der Trauerfeier weinten viele Rollstuhlfahrer um ihn. Die Kapelle war knüppeldicke voll.
Er wird wirklich von Vielen vermisst.

3 Antworten

  1. >Bin durch zufall auf diesen blog gestoßen. helmut tank war mein onkel und ich habe ihm sehr viel zu verdanken. sein tod schmerzt auch heute noch sehr und ich besuche ihn so oft es geht an seinem grab.vielen dank für diesen blog.christian tank

  2. >Schön, das Du den Text gefunden hast! 🙂

  3. >…auch wenn es lange gedauert hat.. aber ich werde mit sicherheit immer wieder mal reinschauen!:-)

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