Tag der Einheit

Foto: Bernt Rostad (flickr.com)

Vor ein paar Tagen sah ich im TV den Fernsehfilm über die dramatischen Vorgänge in der deutschen Botschaft kurz vor der Wende in Prag. Zuerst sammelten sich dort nur ein paar hundert Republikflüchtlinge. Die Zahl wuchs aber rasch an und wuchs in kurzer Zeit auf ca. 4000 Menschen an. Das Gelände war völlig überfüllt von Menschen, die den sozialistischen Polizei- und Schnüffelstaat DDR bis oben hin satt hatten und nur noch eins wollten: Raus!
Die hygienische und gesundheitliche Lage auf dem Botschaftsgelände wurde zunehmend katastrophaler. Die Versorgung mit Nahrung wurde immer schwieriger. Man musste 6 Stunden anstehen, um zur Toilette gehen zu können. Was wurde alles in Kauf genommen um ein Ziel zu erreichen: Freiheit!
Wie immer bisher ging es mir durch Mark und Bein als ich den historischen Satz unseres damaligen Außenministers Genscher hörte: „Wir sind heute zu ihnen gekommen, um ihnen mitzuteilen, daß ihre Ausreise….“
Der Rest des Satzes ging im Freudengeheul unter.

„Free at last, free at last, thank God Almighty, we are free at last!“ rief Dr. Martin Luther King vor den Massen aus, als er seine Vision, seinen Traum von der Gleichberechtigung und Einheit von Schwarzen und Weißen in Amerika verkündete.

Freiheit, welch ein kostbarer Wert, welches Geschenk von Oben, von Gott.
Manch einer ist für diesen Traum von Freiheit aufs Schafott gegangen oder ins Gefängnis.
Ich denke an den Film Braveheart, als William Wallace, der Freiheitskämpfer, von Pferden zerrissen werden soll. Er bekommt die Chance zu leben, wenn er sich dem König von England unterordnet. Doch er wählt lieber den Tod als die Knechtschaft unter einem gnadenlosen Tyrannen.
Freiheiiiit…. Freiheiiiiit ruft er sterbend unter der Folter.
Gut, dieser Film ist zum großen Teil Fiktion, aber er veranschaulicht sehr gut, wie wertvoll das Gut der Freiheit für die Menschen ist.

„Tear down this wall, Mr Gorbatschow, open this gate“,

rief Ronald Reagan in Berlin kurz vor der Wiedervereinigung am Brandenburger Tor. Bei diesen Worten kommt mir eine Gänsehaut, selbst wenn ich sie in der Reklame für die Bildzeitung höre.


Haben wir als Ostdeutsche bereits vergessen, wie wichtig uns die Meinungs – und Reisefreiheit vor der Wende war? Können wir als Westdeutsche nur noch die Kosten der Einheit in Mark und Euro sehen?
Nehmen wir nicht mehr das große historische Geschenk der Wiedervereinigung zur Kenntnis? So schnell sind wir satt geworden? So undankbar sind wir Gott gegenüber? Eine Revolution ohne Blutvergießen – wo und wann gab es das in der Weltgeschichte schon mal vorher?
Das Volk begehrt gegen die Mächtigen auf und bekommt seinen Willen. Basisdemokratie. Wenn das kein Zeichen Gottes ist, dann weiß ich nicht, was er noch tun muss um einem Volk seine Liebe und Gnade zu beweisen.
Danke, lieber Gott, daß ich in einem freien Land leben darf! Bei allen Schwächen und Fehlern unserer Demokratie ist es immer noch die beste aller möglichen Staatsformen.

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2 Kommentare zu „Tag der Einheit“

  1. „We shall overcome“
    wurde so zur Freiheitshymne…

    Sehr gelungene Verknüpfung der
    drei Videos zur Veranschaulichung
    des gleichen Themas nämlich der
    Freiheit und Gleichberechtigung,
    ob zwischen Ost- und Westdeutschen
    oder zwischen Schwarzen und Weißen !

    Im Falle der Wiedervereinigung war
    es wirklich gelebte Basisdemokratie
    und das Vertrauen darauf, dass der
    Glaube an die Freiheit Mauern fallen lässt…

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  2. Danke, Don Ralfo, für diesen Post zum Tag der Deutschen Einheit. Hatte hier auf meiner Terrasse die deutsche Fahne gehisst. Mir kommen auch jedes mal wieder die Tränen beim Anschauen dieser Szenen in der Botschaft in Prag.
    Und das Ganze ist eine Bestätigung dafür, dass Veränderungen gewaltfrei möglich sind.
    Wir haben auf unserer Station zur Zeit einen 20jährigen Iraker mit „posttraumatischer Belastungsreaktion“, sprich er ist im Irak in die Kriegsmühlen geraten. Habe gestern Nacht zu meiner Kollegin gesagt: „Der Pazifismus kann sich zwar nicht als richtig beweisen, aber der Militarismus beweist sich ständig als falsch“. Oder wie das „Fette Radio 89.0 digital“ 2003 während des Irak-Krieges nach jeder Nachrichten-Sendung meldete: „Krieg ist Kacke!“

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