Jesus is the Rock and he rolled my Blues away

Freitag 12.30 Uhr. Ich höre meinen Anrufbeantworter ab. Tommy Wittmann, ein alter Kumpel aus vergangenen Tagen voller Lobpreis-Herrlichkeiten braucht einen Bassisten für heute abend.
Ob ich so spontan wäre einzuspringen?
In einer ehemaligen Scheune auf dem Gelände eines Fachwerkbauernhofes wo Tommy wohnt, ist ein Biker Club eingezogen und hat heute abend „Open House“.
Die haben zwar eine Totenkopfflagge auf dem Gelände gehisst, seien aber ansonsten sehr nett und umgänglich und zumeist brave Familienväter.
Natürlich habe ich Bock drauf, nur mein schwaches Herz macht mir ein wenig Sorgen, denn es ist etwas schwül und drückend und ich vertrage keine gößeren Belastungen.
Nachdem Tommy mir am Telefon versichert, die Bassanlage selbst für mich aufzustellen, sage ich zu (Anlage schleppen kann ich nicht mehr).
1. Wollte ich Tommy und seine Frau sowieso schon lange mal wieder sehen.
2. Habe ich Bock auf Rock.
3. Mag ich Biker gern, vor allem wenn sie schön tätowiert sind und stolze Harleys fahren.
17.30 Uhr. meine Tochter Simi und ihr Freund Ali kommen mit, um mich mal auf der Bühne zu erleben und überhaupt. Sie helfen mir tragen: Bass, Ständer, Klappstuhl und Getränke.
Erst mal das wunderschöne Fachwerk- Bauernhaus besichtigen und ne Runde Kaffee trinken und klönen mit Tommy und Frau. Christine ist noch genauso hübsch wie vor zehn Jahren. Ali bemerkt das die Töchter von Wittmanns ausgesprochen hübsch sind und bekommt dafür Ärger von meiner Tochter.
ich fühle mich im Biker-Treff sofort wie zu Hause. Das ganze Ambiente erinnert mich stark an die Bluesgarage in Isernhagen, meine musikalische Wahlheimat. Urgemütlich und mit viel grobem Holz, bequemen Sesseln und einer einladenden Theke.
Die Biker begrüßen mich mit Handschlag und Bikergruß. Vielleicht wirke ich mit meinem schwarzen Pink Floyd – Bandshirt auch wie ein Biker? ich habe meinen 3-Tagebart extra nicht abrasiert, um dort gut anzukommen.
Im Club werde ich von der lieben Ute, einem anderen christlichen Urgestein aus der Vergangenheit, herzlichst umarmt. Es tut gut mit alten Freunden zu quatschen.
Wir bereden die Abfolge der Songs und üben ein wenig. Tommy ist ein bannig guter Drummer und der Gitarrist ist erste Sahne!
Beim ersten Song „La Grange“ von ZZ-Top (zumindest in dem Stil) wecken wir große Erwartungen bei den Bikern. Die E-Gitarre quietscht wunderschön in den fetzigen Obertönen einer „Texas Strut“ und der Tommy kann das Intro auf den Rims der Trommeln.
Bei „Swing low, sweet Chariot“ von Clapton (Im Reggae-Stil) spielen wir die Biker aus dem Saal!
Macht nix, dann machen wir erst mal Pause und essen ne Bratwurst. Die ist für Musiker umsonst. Das Bierchen dazu auch.
In der Pause engagieren wir Biker Romeo, einen alten Hasen aus der Hannoverschen Bandszene, seine „Bluesharp“ auszupacken und mit auf die Bühne zu kommen. Seine Mundharmonika passt gut zu dem Blues, den wir spielen.
Romeo trägt Goldkettchen und ist mit ’nem dicken Zuhälterschlitten unterwegs. Mercedes oder so. Aber nett ist er, wenn auch wohl ein kleiner Aufschneider.
Nach 2 Stücken mag er nicht mehr mitspielen, weil ihm seine obere Knabberleiste beim Spielen rausrutscht. Too old to Rock and Roll, too young to die?
Na ja, ich mit meinem Herzkasper sitze beim Spielen auf nem Klappstuhl und bin froh, daß wir öfter mal Pause machen. Da kann ich es mir auf dem Sofa gemütlich machen.
Bin halt ein „Sofachrist“!
Ich genieße den Abend in vollen Zügen. Warum nicht mit einer Gitarre in der Hand auf der Bühne sterben? Oder auf einer Harley Davidson während einer Tour durch die USA?
Als ich in der Nacht zu Hause allein im Dunkeln auf meinem Fernsehsessel sitze und nicht schlafen kann, danke ich meinem wunderbaren Herrn Jesus für den herrlichen Tag, den ich erlebt habe. Er ist so gut zu mir. Ein anderer Tag, an dem einfach Alles zusammenpasste, trotz Herzschwäche und leichter Überanstrengung.
Es war einfach Alles Perfekt! Jesus is the Rock and he rolled my Blues away
Die ganze Nacht geht mir der Boogie von ZZ-Top durchs Gehirn, ich fühle mich ausgelaugt und sehr glücklich…
Danke Bernd.

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3 Kommentare zu „Jesus is the Rock and he rolled my Blues away“

  1. Schön zu lesen, weckt Erinnerungen an längst vergangene Tage…Eric Clapton spielt Swing Low. Larry Norman rockt über Jesus, der den Blues weggerollt hat. Meine Wenigkeit am Abend in Amsterdam im Paradiso auf der Bühne mit mir fremden Musikern und wir spielen Sad Eyed Lady Of The Lowlands in einer ZZ-TOP-Version, die uns spontan gelingt. Wie singt doch Meat Loaf so richtig? And it was long ago and it was far away, and it was so much better than it is today. Nostalgische Erinnerungen sind was feines!

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